{"id":736,"date":"2026-07-02T09:15:00","date_gmt":"2026-07-02T08:15:00","guid":{"rendered":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=736"},"modified":"2026-07-02T09:52:00","modified_gmt":"2026-07-02T08:52:00","slug":"wurde-nur-durch-das-recht-auf-den-tod-an-sich","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=736","title":{"rendered":"W\u00fcrde nur durch das Recht auf den Tod an sich?"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Autonomie anstelle von Leiden als Ma\u00dfstab<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vorwort zur 2022 priorit\u00e4r f\u00fcr Aerzte&nbsp;ver\u00f6ffentlichten Brosch\u00fcre \u201eEuthanasie ou&nbsp;assistance au suicide\u201c der luxemburgischen Sterbehilfe -Organisation ADMD \u201eM\u00e4i&nbsp;W\u00ebllen, M\u00e4i Wee\u201c schreibt deren Pr\u00e4sident, Me Jean-Jacques Schonckert, einen irref\u00fchrenden Satz, der bisher in jedem Land vor Einf\u00fchrung eines Euthanasiegesetzes , zuletzt auch in Frankreich, gebetsm\u00fchlenartig wiederholt wurde : \u201eOr il s\u2019agit&nbsp;d\u2019un&nbsp;acte&nbsp;m\u00e9dical&nbsp;exceptionnel et rare.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Paulette Lenert, Vize-Pr\u00e4sidentin der ADMD, sagt im Interview hierzu:&nbsp;\u201eIch w\u00fcnsche mir, dass wir an der Spitze der L\u00e4nder, die nach vorne gerichtet denken, bleiben.\u201c Sie spricht dann von der Notwendigkeit einer Erweiterung unseres Euthanasiegesetzes und spricht dabei einerseits vom \u201edeutschen Modell\u201c als einem Recht auf assistierten Suizid ohne Indikations-und Altersbegrenzung und andererseits von der M\u00f6glichkeit einer verfassungsm\u00e4ssigen Verankerung eines Grundrechts auf Euthanasie, wie es auch&nbsp; in Frankreich vom Pr\u00e4sidenten ihrer franz\u00f6sischen Schwesterorganisation (ADMD) Jean-Luc Rom\u00e9ro-Michel, vor kurzem analog zum Recht auf Abtreibung mit Verfassungsrang gefordert&nbsp; wurde. (Zitat: \u201e Mein K\u00f6rper geh\u00f6rt mir, mein Tod geh\u00f6rt mir\u201c)<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die bef\u00fcrchtete \u201eschiefe Bahn\u201c oder \u201epente&nbsp;glissante\u201c ist Realit\u00e4t geworden, die Grenzen werden nicht bewacht, sondern stetig veschoben, wir sehen es derzeit nur noch nicht so stark in Luxemburg. Die Entwicklungen in unseren Nachbarl\u00e4ndern und in USA und Kanada belegen dies einerseits mit dem rasanten Anstieg der Zahlen und der st\u00e4ndigen Erweiterung der Indikationen bzw der stillschweigend gew\u00e4hrten erweiternden Interpretation der Indikationen, ohne dass Gesetze ge\u00e4ndert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Die Diskrepanz der Euthanasie-Zahlen im ehemals katholischen <strong>Luxemburg<\/strong>&nbsp;mit zuletzt 2024 im Vergleich zu den Vorjahren relativ stabilen 0,8 % an der Gesamtzahl der Sterbef\u00e4lle zu den Zahlen unseren Nachbarl\u00e4nder ist enorm. 2024 betrug der Anteil der Euthanasie-F\u00e4lle an der Gesamtzahl der Sterbef\u00e4lle in den ehemals protestantisch-calvinistischen <strong>Niederlande<\/strong><strong>n<\/strong> 5,8 % mit&nbsp; j\u00e4hrlichen Zuwachsraten um 10 %, in <strong>Belgien<\/strong>&nbsp;3,6 % mit konstanten j\u00e4hrlichen Zuwachsraten zwischen 10 und 16 %, wovon 70 % der F\u00e4lle im ehemals protestantisch -calvinistischen Flandern und 30 % im ehemals katholischen Wallonien deklariert werden.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Diese so unterschiedllichen&nbsp; Entwicklungen werfen viele Fragen auf, wobei der verschiedene ehemalige Konfessionsstand dieser L\u00e4nder dies nicht allein erkl\u00e4ren kann, da im ehemals katholischen <strong>Qu\u00e9bec <\/strong>in Kanada 2024 die&nbsp; weltweit h\u00f6chste Euthanasie-Rate mit 7,3 % der Gesamt-Sterbef\u00e4lle dokumentiert wurde bei j\u00e4hrlichen Zuwachsraten um 10%, wobei laut dem Department of Justice Canada bei ca 50% der Euthanasie-Kandidaten die Angst, anderen nicht zur Last fallen zu wollen, als Motivation angegeben wird.&nbsp; Laut den letzten Umfragen waren \u00fcbrigens 28 % &nbsp;der befragten Kanadier der Meinung, dass Obdachlosigkeit eine&nbsp;ausreichende Bedingung sei, um den Euthanasie-Antrag zu stellen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Kontext der aktuellen franz\u00f6sischen Debatte um Euthanasie und \u201efin de vie\u201c und dem von Pr\u00e4sident Macron bevorzugten belgischen Modell wird das franz\u00f6sische&nbsp;Tryptichon \u201eFreiheit, Gleichheit, Br\u00fcderlichkeit\u201c grundlegend ver\u00e4ndert: Gleichheit und Br\u00fcderlichkeit treten in den Hintergrund, wenn Menschen kein ausreichender Zugang zu Palliativmedizin gew\u00e4hrt wird und andere lieber sterben wollen als ihren sozialen Tod zu leben.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Laut Dietmar Mieth ist Freiheit eine Tochter der Solidarit\u00e4t. Wir haben aber oft nicht die Ressourcen, um Menschen in Not ein tragf\u00e4higes Haltenetz anzubieten, in dem wir zuerst Zuh\u00f6rer und nicht ungen\u00fcgend ausgebildete Schnell-Urteiler sind. Es geht jetzt nicht mehr nur um Menschen, die sterben werden, sondern um Menschen, die sterben wollen. Josef Pieper schrieb, dass die Verwirklichung des Guten das Wissen um die Wirklichkeit voraussetze:\u201c Wer nicht weiss, wie die Dinge wirklich sind und liegen, der kann auch nicht das Gute tun, denn das Gute ist das Wirklichkeitsgem\u00e4sse.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Wim Distelmans, Professor f\u00fcr Paliliativmedizin an der VUB und Vorsitzender der belgischen Euthanasie-Kontroll-Kommission schreibt in seinem grundlegenden Buch zum belgischen Euthanasie-Modell:&nbsp;\u00ab&nbsp;Weder der Patient selbst noch der behandelnde Arzt m\u00fcssen sich an das Gutachten des zweiten oder dritten Arztes halten. Sogar wenn einer der Gutachter der Meinung ist, dass die Therapiem\u00f6glichkeiten noch nicht ausgesch\u00f6pft seien, kann der Patient dies verweigern und auf der Euthanasie bestehen. Die letzte Verantwortung f\u00fcr die Durchf\u00fchrung des Willens seines Patienten&nbsp; bleibt&nbsp;somit&nbsp; in den H\u00e4nden des behandelnden Arztes.&nbsp;\u00bb<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">2 Personen mit Demenz wurden 2020 (und 6 von 346 Patienten 2024) nach&nbsp; dem Urteil des obersten Gerichtshofes der Niederlande vor ihrer Euthanasie \u00ab&nbsp;heimlich bzw unter Anwendung von Zwang\u201c(\u201esubreptice\u201c) sediert, weil ihre nat\u00fcrliche Willensbekundung zum Zeitpunkt der Euthanasie der urspr\u00fcnglich in der Patientenverf\u00fcgung gew\u00fcnschten Euthanasie widersprach.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Da nun die Bef\u00fcrworter der Euthanasie im neuen franz\u00f6sischen Gesetz analog zur Abtreibungsgesetzgebung einen Artikel&nbsp; zur \u201eStraftat der Verhinderung der Sterbehilfe\u201c&nbsp; vorsehen&nbsp;und die Gegenseite bez\u00fcglich der Euthanasie von einem \u201eZivilisationsbruch\u201c spricht, bleibt tats\u00e4chlich kein Raum mehr frei f\u00fcr&nbsp;Diskussionen und dieser Kulturkampf der gegenseitigen Exkommunikationen schadet unserem gesellschaftlichen und demokratischen Miteinander mehr als wir tragen k\u00f6nnen.<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Dr Robert Thill-Heusbourg<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ettelbruck<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Neurologe, Palliativmediziner, Psychotherapeut und Koordinator f\u00fcr klinische Ethik-Beratung im deutschen Ethik-Curriculum<\/p>\n\n\n\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Ettelbruck, am 10. Mai 2026<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size wp-block-paragraph\">Autonomie anstelle von Leiden als Ma\u00dfstab<\/p>\n<p class=\"wp-block-paragraph\">Im Vorwort zur 2022 priorit\u00e4r f\u00fcr Aerzte&nbsp;ver\u00f6ffentlichten Brosch\u00fcre \u201eEuthanasie ou&nbsp;assistance au suicide\u201c der luxemburgischen Sterbehilfe -Organisation ADMD \u201eM\u00e4i&nbsp;W\u00ebllen, M\u00e4i Wee\u201c schreibt deren Pr\u00e4sident, Me Jean-Jacques Schonckert, einen irref\u00fchrenden Satz, der bisher in jedem Land vor Einf\u00fchrung eines Euthanasiegesetzes , zuletzt auch in Frankreich, gebetsm\u00fchlenartig wiederholt [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[33],"tags":[],"class_list":["post-736","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-gesondheet-soziales","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/736","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=736"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/736\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":749,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/736\/revisions\/749"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=736"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=736"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=736"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}