{"id":68,"date":"2008-05-17T09:47:34","date_gmt":"2008-05-17T08:47:34","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=68"},"modified":"2009-12-03T09:53:04","modified_gmt":"2009-12-03T08:53:04","slug":"die-aufgabe-der-palliativen-kultur-und-die-neue-gesellschaftsordnung","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=68","title":{"rendered":"Die Aufgabe der palliativen Kultur und die neue Gesellschaftsordnung"},"content":{"rendered":"<p><!-- \t\t@page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } \t\tH3 { margin-top: 0cm; margin-bottom: 0cm } \t\tH3.western { font-family: \"Courier New\", monospace; so-language: de-DE } \t\tH3.cjk { font-family: \"DejaVu Sans\" } \t\tH3.ctl { font-family: \"DejaVu Sans\"; font-size: 12pt; font-weight: medium } \t\tP { margin-bottom: 0.21cm } --><\/p>\n<h3 lang=\"de-DE\"><span style=\"font-family: Times New Roman,serif;\">Eine Anwort nicht nur auf Henri Etienne<\/span><\/h3>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\">\n<p><em><strong><span style=\"font-size: small;\">Dr. Robert Thill-Heusbourg<\/span><\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong><span style=\"font-size: small;\">Facharzt f\u00fcr Neurologie<\/span><\/strong><\/em><br \/>\n<em><strong><span style=\"font-size: small;\">Diplom f\u00fcr Psychotherapeutische Medizin<\/span><\/strong><\/em><\/p>\n<p><strong>1.Euthanasie ist das falsche Wort.<br \/>\n<\/strong><br \/>\nEuthanasie heisst bewusstes T\u00f6ten eines Menschen mit den Unterscheidungen freiwillig, nicht freiwillig und unfreiwillig. Die Depenalisierung des T\u00f6tens , das Aufgeben des \u201eT\u00f6tungsverbots\u201c zerst\u00f6rt ein Fundament unserer Gesellschaftsordnung. Das Wort Euthanasie dient dazu, den wahren Sachverhalt zu besch\u00f6nigen bzw zu verschleiern.<\/p>\n<p>Es gibt keinen \u201eguten Tod\u201c und das gute Sterben ist noch seltener als das gute Leben.<\/p>\n<p>Laut Definition der Weltgesundheitsorganisation ist die Palliativmedizin &#8220;die aktive, ganzheitliche Behandlung von Patienten mit einer voranschreitenden, weit fortgeschrittenen Erkrankung und einer begrenzten Lebenserwartung in der Zeit, in der die Erkrankung nicht mehr auf eine kurative Behandlung anspricht und die Beherrschung von Schmerzen, andere Krankheitsbeschwerden, psychologische, soziale und spirituelle Probleme h\u00f6chste Priorit\u00e4t besitzt.&#8221;<\/p>\n<p>Erstaunlich und paradox ist, dass gerade diejenigen, die sich bisher f\u00fcr die Entwicklung von ganzheitlichen, nachhaltigen und technik-kritischen Konzepten in der Gesellschaft und in der Medizin eingesetzt haben, die von Gewaltfreiheit und von der Welt als einem bewohnbaren Haus gesprochen haben, jetzt gegen all diese Grunds\u00e4tze verstossen und eine L\u00f6sung vorschlagen, die vom L\u00f6sungskonzept her aus der Steinzeit kommt und auf eine sehr komplexe Frage eine sehr einf\u00e4ltige und technische Antwort gibt. T\u00f6ten haben die Menschen immer schon gekonnt, aber die Antworten der Palliativ-Medizin stellen den eigentlichen Paradigmen-Wechsel dar.<br \/>\n<!--more--><br \/>\n<strong>2. Moralischer und legaler Missbrauch sind vor-programmiert<\/strong><\/p>\n<p>Es ist der Anfang vom Ende der Solidargemeinschaft; das , was heute ein Recht ist, wird in den K\u00f6pfen vieler Menschen bald zur Pflicht. Anstatt die Schw\u00e4chsten unserer Gesellschaft am st\u00e4rksten zu sch\u00fctzen, werden hier Schwellen bewusst erniedrigt und alte, kranke und behinderte Mitb\u00fcrger sind dem Druck ihres sozialen Umfeldes ungesch\u00fctzt ausgesetzt. Es darf nie soweit kommen, dass jemand sich rechtfertigen muss, weil er auf Unterst\u00fctzung und Pflege angewiesen ist.<\/p>\n<p>Dieses Gesetz wird in unserer Gesellschaft der gut Funktionierenden und der knappen Ressourcen unsere Auffassung von Leiden, Behinderung und chronischer Krankheit radikal zum Nachteil der Betroffenen \u00e4ndern.<\/p>\n<p>Man nehme nur das Beispiel von Mme Debaine in Frankreich, die vor kurzem ihre erwachsene behinderte Tochter in der Badewanne ertr\u00e4nkt hat und vor Gericht jetzt freigesprochen wurde. Eine Frau Liliana Miranda hat hierzu im Editorial der Tageszeitung \u201eLe Quotidien\u201c vom 11.4.2008 einen selten unverantwortlichen und gef\u00e4hrlichen Artikel geschrieben, in dem sie die Tat dieser Mutter als verst\u00e4ndlich und nachvollziehbar beschreibt und Unverst\u00e4ndnis daf\u00fcr \u00e4ussert, dass in unserer Geselllschaft Gerichte sich anmassten, sich mit solchen F\u00e4llen zu befassen(&#8230;)Diese junge schwer behinderte Frau hatte eben gerade das nicht bekommen, was ihr eigentlich zustand: ein Platz in einem professionellen Pflege-Zentrum, wo sie rund um die Uhr von Menschen betreut wird, die dieser Aufgabe und Belastung gewachsen und entsprechend ausgebildet sind. Allein zuhause war ihre Mutter nat\u00fcrlich mit der Betreuung \u00fcberfordert und dann kommt es , so wie auch hier in Luxemburg, \u00f6fters zu einer chronischen schlechten Betreuung, die manchmal sogar einer chronischen Misshandlung entspricht, welche nur durch institutionelle Betreuungsstrukturen vor dem Hintergrund einer funktionierenden Pflege-Gesetzgebung beendigt werden kann. Eltern und Familienangeh\u00f6rige sind leider nicht immer die besten Betreuer.<\/p>\n<p>Und Frau Miranda schreibt dann neben anderen Ungeheuerlichkeiten\u00a0:\u201eCe qui est r\u00e9ellement\u00a0 d\u00e9rangeant, c\u2018est que la justice se mette \u00e0 jouer un r\u00f4le qui ne devrait pas lui incomber. Celui de trancher \u00e0 la t\u00eate du client dans ce genre d\u2018affaires, pourtant si d\u00e9licates\u201c.<\/p>\n<p>Was soll denn bitte sonst die Aufgabe der Justiz sein, wenn Eltern ihre Kinder t\u00f6ten?<\/p>\n<p>In einem solchen Fall nach Euthanasie zu rufen, ist ja eben dann gerade das, was wir unter der \u201epente glissante\u201c verstehen. Anstatt dass wir jedem das geben , was er braucht und worauf er ein Anrecht hat, wird der behinderte oder kranke Mensch auf eine menschliche \u201eMinimal-Version\u201c reduziert (\u201ehandicap\u00e9e \u00e0 90 %\u201c, auch wenn das medizinisch gesehen Unsinn ist), man spricht von \u201el\u00e9gumes\u201c, und dann l\u00e4sst man das T\u00f6ten nicht nur zu, sondern fordert es geradezu heraus und somit hat die Gesellschaft sich auch das Nachdenken \u00fcber Defizite der Betreuungsstrukturen erspart.<\/p>\n<p><strong>3. T\u00f6ten ist keine Aufgabe der Medizin<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Gesetz \u00e4ndert nicht nur unsere Auffassung \u00fcber die Aus\u00fcbung von Medizin , sondern auch unsere Auffassung, wie wir mit chronischer Krankheit umgehen.<\/p>\n<p>Es geht vor allem darum, Gebrechlichkeit und Leiden in eine umfassende Sicht des Menschseins zu integrieren. Hilfsbed\u00fcrftigkeit widerspricht nicht der W\u00fcrde des Menschen, sondern geh\u00f6rt zum Wesen des Menschseins, weil es zu seiner Endlichkeit geh\u00f6rt.<\/p>\n<p>Es ist die Aufgabe des Arztes,das Leben zu sch\u00fctzen, Krankheiten vorzubeugen, Leiden zu lindern und manchmal auch zu heilen, und im \u00fcbrigen immer zu begleiten und zu tr\u00f6sten.<\/p>\n<p>Es kann nie Aufgabe eines Arztes sein, seinen Patienten zu t\u00f6ten. Das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Arzt und Patient ist darauf begr\u00fcndet, dass der Arzt ihn nicht allein lassen wird und dass er ihn auch bis in den Tod hinein begleiten wird und sterben l\u00e4sst, wenn es soweit ist. Die moderne Medizin verf\u00fcgt heute \u00fcber alle Mittel, dieses Sterben so zu gestalten, dass dies mit einem Minimum an k\u00f6rperlichen oder psychischen Schmerzen verbunden ist. Der Gesetzesvorschlag zur Euthanasie ist nicht nur gef\u00e4hrlich, sondern einfach \u00fcberfl\u00fcssig.<\/p>\n<p>Es ist zu bef\u00fcrchten, dass mit einer gesetzlichen Freigabe \u00c4rzte und Pflegekr\u00e4fte gedr\u00e4ngt werden, auch \u00f6konomischen Interessen nachzugeben. Die T\u00f6tung auf Verlangen widerspricht dem Berufsethos und w\u00fcrde das Vertrauensverh\u00e4ltnis zwischen Patienten, \u00c4rzten und Pflegekr\u00e4ften nachhaltig beintr\u00e4chtigen.<\/p>\n<p>Euthanasie heisst, den Sterbenden isolieren und t\u00f6ten: der verordnete Tod (Euthanasie: isoler et faire mourir\u00a0: la mort donn\u00e9e.)<\/p>\n<p>Palliativ heisst, den Sterbenden begleiten und sterben lassen: der angenommene Tod. (Palliatif: accompagner et laisser mourir\u00a0: la mort accept\u00e9e.)<\/p>\n<p><strong>4. Die medizinische Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung ist in Wirklichkeit eine medizinische Aufforderung zur Selbstt\u00f6tung und hat nichts mehr mit Medizin zu tun. (le suicide m\u00e9dicalement assist\u00e9 \u00e9quivaut \u00e0 un suicide m\u00e9dicalement provoqu\u00e9)<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr den gl\u00e4ubigen Menschen bedeutet Gnade letztendlich, dass es niemals zu sp\u00e4t ist in der Beziehung zwischen Gott und dem Menschen, eine in der Psychiatrie grundlegende Botschaft, die auch nicht-transzendent gedeutet werden kann in dem Sinn, dass es niemals zu sp\u00e4t f\u00fcr einen Neu-Anfang ist.<\/p>\n<p>Im Film des polnischen Regisseurs Kieslowski \u00fcber das 5.Gebot, wo im Vorraum der Todeszelle der Anwalt des kurz vor der Hinrichtung stehenden jugendlichen M\u00f6rders dem ungeduldigen Gef\u00e4ngnisdirektor \u00fcber Telefon immer wieder ausrichten l\u00e4sst, dass er noch nicht mit seinem letzten Gespr\u00e4ch fertig sei und ihm dann zum Schluss einfach entgegen schreit: \u201eIch werde hier niemals sagen, dass ich fertig bin\u201c, stellt dies die zentrale nicht-religi\u00f6se Aussage in einer atheistischen Welt dar.<\/p>\n<p>Als Nervenarzt habe ich diese Gesinnung des \u201ees ist niemals zu sp\u00e4t\u201c jedem Patienten gegen\u00fcber auszustrahlen und wenn ich einmal nicht mehr dazu f\u00e4hig bin, gebietet mir mein Standesethos, den Patienten an einen anderen Arzt zu verweisen, der diese Hoffnung noch glaubw\u00fcrdig leben kann, denn diese ist die Grundlage jeder Therapie.<\/p>\n<p>Wenn man in der Psychiatrie Hemm-Schwellen abbaut, bedeutet dies eine Aufforderung zum Suizid, und diese ist strafbar.<\/p>\n<p>Als Nervenarzt bin ich dazu ausgebildet worden und stehe ich auch t\u00e4glich in der Notaufnahme der neurologischen und psychiatrischen Poliklinik vor der Aufgabe, Menschen mit Wahrnehmungsst\u00f6rungen unterschiedlicher Genese davon zu \u00fcberzeugen, dass ihre subjektiv empfundene Wertlosigkeit (Selbst-Entwertung) nicht als Ausgangspunkt f\u00fcr selbst-destruktive Tendenzen genommen werden soll, sondern dass ich mich mit diesem Menschen auf den Weg mache, Orientierung an einer h\u00f6heren Auffassung von Wert und W\u00fcrde zu suchen. (cf Transzendenz-Idee des Individuums)<\/p>\n<p>Das heisst, dass ich schon berufsm\u00e4ssig dazu aufgefordert bin, Selbst-Enwertungen im allgemeinen und als Handlungsgrundlage im besonderen in Frage zu stellen; nur ein erfahrener Arzt f\u00fcr Neurologie und Psychiatrie kann die Einschr\u00e4nkung der Kritikf\u00e4higkeit eines Patienten richtig einsch\u00e4tzen.<\/p>\n<p>Madame Marie de Hennezel, Berichterstatterin f\u00fcr die franz\u00f6sische Regierung zur Bestandsaufnahme der Palliativmedizin in Frankreich (\u201eLa France palliative\u201c), schreibt, dass der Mensch oft am Ende seines Lebens sein Selbstbild (\u201eimage de soi\u201c) verliert und dass dieser Verlust nur von den anderen Menschen korrigiert werden kann. Dieser Auftrag ist jedem von uns in der Begegnung mit kranken und sterbenden Menschen gegeben.<\/p>\n<p>Jacques Lacan, der grosse franz\u00f6sische Psycho-Analytiker schreibt in einem allgemeineren Zusammenhang\u00a0: \u201ec\u2019est le regard de l\u2019autre qui me constitue\u201c.<\/p>\n<p>Leben in W\u00fcrde kann somit zur Gemeinschaftsaufgabe werden, und einen suizidgef\u00e4hrdeten Menschen auf seinem Weg der Selbstabwertung und Selbstt\u00f6tung nicht liebe- und respektvoll in Frage zu stellen, bedeutet eigentlich, ihm ein Menschenrecht zu versagen.<\/p>\n<p>Es handelt sich also um eine \u00ab\u00a0non-assistance \u00e0 personne en danger\u00a0\u00bb.<\/p>\n<p>In der Psychiatrie und Psychotherapie lernen wir, wie mit suizidgef\u00e4hrdeten und suizid-willigen Patienten umzugehen ist, wir erlernen Techniken der kognitiven und emotionalen Restrukturation, um Einfluss zu nehmen auf\u00a0 Eigen-Dynamik entwickelnde negative Gedanken-Spiralen.<\/p>\n<p>Wenn ein Arzt bei einem akut suizidgef\u00e4hrdeten-oder suizidwilligen Patienten es verabs\u00e4umt, einen Psychiater zu Rate zu ziehen oder die Unterbringung des Patienten in einer psychiatrischen Anstalt zu beantragen, kann er wegen unterlassener Hilfeleistung angeklagt werden.<\/p>\n<p>Der Auftrag, mit akut suizidgef\u00e4hrdeten oder suizid-willigen Menschen umzugehen, ist zurecht in die alleinige Fachkompetenz eines psychotherapeutisch ausgebildeten Nervenarztes gegeben worden.<\/p>\n<p>Der Auftrag, eine durch psychische oder geistige St\u00f6rungen verursachten Einschr\u00e4nkung der Willens-und Entscheidungsf\u00e4higkeit rechtlich qualifiziert und g\u00fcltig zu beurteilen, ist sowohl im Zivil-als auch im Strafrecht zurecht in die alleinige Kompetenz eines Nervenarztes gegeben worden.<\/p>\n<p>Und jetzt soll dann nach den Bestimmungen des Gesetzesvorschlages \u00ab\u00a0pour le droit de mourir en dignit\u00e9\u00a0\u00bb eine \u00ab\u00a0medizinisch ausweglose Situation\u00a0\u00bb, die mit \u00ab\u00a0unertr\u00e4glichem\u00a0und anhaltenden psychischen Leiden\u00a0\u00bb und \u00ab\u00a0ohne Aussicht auf Besserung\u00a0\u00bb einhergeht, sogar im Hinblick auf den unwiderruflichen T\u00f6tungsakt von einem jedem Arzt und unabh\u00e4ngig von seiner fachlichen Qualifikation g\u00fcltig beurteilt werden k\u00f6nnen\u00a0?<\/p>\n<p><strong>5. Autonomie, Freiheit und Selbstbestimmungsrecht des Einzelnen enden dort, wo Autonomie, Freiheit und Selbstbestimmungsrecht des Anderen beginnen.<\/strong><\/p>\n<p>Martin Buber schreibt: \u201cZwang und Unterwerfung widersprechen der menschlichen W\u00fcrde; Freiheit ist ein Steg, aber kein Wohnraum.\u201c<\/p>\n<p>Freiheit und Autonomie sind also keine Werte an sich, sondern erhalten ihren Wert erst durch die Gestaltung des Freiraumes, den sie erm\u00f6glichen.<\/p>\n<p>In seinem Artikel \u00ab\u00a0Plaidoyer contre une d\u00e9p\u00e9nalisation de l&#8217;euthanasie\u00a0\u00bb schreibt Norbert Campagna\u00a0:\u00a0\u00bb\u00a0Il convient ici de faire une distinction<br \/>\nentre ce qui est intrins\u00e8quement indigne et ce qui est per\u00e7u comme indigne. Si une soci\u00e9t\u00e9 d\u00e9cente se doit de reconna\u00eetre \u00e0 chacun un droit absolu au<br \/>\nrespect de sa dignit\u00e9 intrins\u00e8que \u2013humaine \u2013 elle ne doit pas \u00e0 chacun<br \/>\nla reconnaissance d&#8217;un droit absolu au respect de sa dignit\u00e9 per\u00e7ue. On pourra certes discuter sur la question de la d\u00e9limitation, mais il est n\u00e9anmoins d\u00e9j\u00e0 important de faire la distinction.Aucun imp\u00e9ratif d&#8217;ordre public ne justifie une atteinte \u00e0 la dignit\u00e9 personnelle, mais des imp\u00e9ratifs d&#8217;ordre public (la protection des plus faibles) peuvent justifier une relativisation du respect de la dignit\u00e9 individuelle. Ne pas distinguer la personne ou le sujet transcendental de l&#8217;individu empirique est l&#8217;une des plus graves maladies culturelles de notre temps.\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>Und an anderer Stelle\u00a0:\u00a0\u00bbLes droits de l\u2019individu ne sont pas tout, et il faut, m\u00eame parmi les droits, \u00e9tablir une hi\u00e9rarchie qui, pour \u00eatre \u00e9tablie, doit se r\u00e9f\u00e9rer \u00e0 autre chose que les droits.\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>Wenn wir Schwellen abbauen, welche Schw\u00e4chere sch\u00fctzten, dann sind eben die Freiheitsrechte dieser Menschen massiv in Frage gestellt und die Begriffe der \u201eAutonomie\u201c und der \u201eFreiheit\u201c werden hier nur als \u201etrompe l\u2018\u0153il\u201c gebraucht.<\/p>\n<p>Es kann dabei sowohl einen Konflikt zwischen Selbstbestimmungsrecht<br \/>\nund F\u00fcrsorgeverpflichtung einerseits als auch einen Konflikt zwischen Individualwohl und Gemeinschaftswohl andererseits geben, die in der Bewertung jedes Einzelfalls ber\u00fccksichtigt werden m\u00fcssen.<\/p>\n<p>Aus einer Stellungnahme der B\u00fcrgerinitiative \u201eaction pour la vie et contre l\u2019euthanasie\u201c:<\/p>\n<p>\u201eDer Gesetzesvorschlag beruht auf einem Rechtsverst\u00e4ndnis, das in beunruhigender Weise symptomatisch ist f\u00fcr die tiefen Risse in unserem sozialen Netz. Es stellt aus extrem liberaler Sicht die sogenannte Entscheidungsfreiheit des einzelnen vor die Sozialvertr\u00e4glichkeit und die Nachhaltigkeit. Hat unser Rechtssystem bald nur mehr zum Ziel, einen Rahmen m\u00f6glicher &#8220;Optionen&#8221; bereitzustellen, oder beh\u00e4lt es die Funktion, den Schw\u00e4cheren Schutz zu gew\u00e4hren &#8211; namentlich denen, die durch die Euthanasie in Zugzwang geraten, die Vereinsamten, die in schwierigen Beziehungsverh\u00e4ltnissen lebenden? Zudem verkennt der Gesetzesvorschlag, dass aus pflege-und medizinethischer Sicht die Anerkennung der Autonomie des Patienten zwar eine wesentliche und \u00fcberaus notwendige Rolle spielt aber auch andere Prinzipien\u00a0\u00a0 (Nichtschaden, Gerechtigkeit, Wohlergehen) als ebenb\u00fcrtige normative Grundlagen herangezogen werden sollten.\u201c<\/p>\n<p>Vor allem auf hochbetagte und\/oder pflegebed\u00fcrftige Menschen w\u00e4chst durch die Freigabe der Euthanasie der gesellschaftliche Druck, sich selbst den Tod zu w\u00fcnschen.In Deutschland wurde daf\u00fcr 1998 der Ausdruck \u201eSozialvertr\u00e4gliches Fr\u00fchableben\u201c als \u201eUnwort des Jahres\u201c definiert. Durch das gesetzliche Verbot der T\u00f6tung auf Verlangen werden Menschen vor diesem Druck gesch\u00fctzt. Niemand muss sich f\u00fcr sein Angewiesensein auf Pflege und Unterst\u00fctzung rechtfertigen.<\/p>\n<p>Emmanuelle Cinquir spricht davon, dass es in Bezug auf die Gemeinschaft erst die Gebote und Gel\u00fcbde seien, welche Freiheit erm\u00f6glichten.(\u201eLes v\u0153ux sont l\u00e0 pour la libert\u00e9\u00a0\u00bb)<\/p>\n<p>Erst in der bewussten Entscheidung zur Respektierung von Grenzen wird es m\u00f6glich, dass sich unsere Handlungs-und Wahl-M\u00f6glichkeiten nicht im Beliebigen verzetteln, sondern im Zentrum unseres Anliegens verdichten und dann vervielf\u00e4ltigen, so wie\u00a0 im Konzept der Palliativ-Medizin erst das Respektieren des T\u00f6tungsverbots das Freisetzen von anderen sch\u00f6pferischen Kr\u00e4ften erm\u00f6glicht.<\/p>\n<p>In \u201caccompagner et laisser mourir\u201d beschreibt Marie de Hennezel diese Einstellung als den eigentlichen Paradigmen-Wechsel.<\/p>\n<p>\u00ab\u00a0Nous avons \u00e9t\u00e9 confront\u00e9s \u00e0 ces situations limites devant lesquelles on s&#8217;incline humblement. Nous avons \u00e9prouv\u00e9 alors le sentiment qu&#8217;il peut \u00eatre plus humain d&#8217;acc\u00e9der au voeu de mourir de celui ou de celle qui n&#8217;en peut plus. Oui, cela nous est arriv\u00e9. Mais nous ne pouvions pas pour autant donner d\u00e9lib\u00e9r\u00e9ment la mort \u00e0 nos patients. Pas seulement parce que ce n&#8217;\u00e9tait pas l\u00e9gal. Parce que notre mission \u00e9tait d&#8217;\u00eatre le plus cr\u00e9atif possible pour trouver des solutions aux situations les pires. Nous pratiquions alors le &#8220;laisser mourir&#8221; bien avant qu&#8217;il ne soit institu\u00e9 par la loi Leonetti. Nous endormions la personne, gr\u00e2ce \u00e0 une s\u00e9dation contr\u00f4l\u00e9e, et nous encouragions les proches \u00e0 l&#8217;accompagner dans une veille pleine de douceur. \u00ab<\/p>\n<p><strong>6. Emotionen ersetzen nicht die Analyse<\/strong><\/p>\n<p>Und Meinungen ersetzen keine Argumente. Das Gewissen ist die letzte Norm, aber nicht die h\u00f6chste. Ein Gewissen muss gebildet werden und eine Meinung ist nur soviel wert, wie sie sich auf korrekte Information und Reflexion st\u00fctzen kann. Sehr viele Menschen, die sich in dieser Debatte zu Wort melden, haben nur wenig Ahnung von der Problematik und dazu geh\u00f6ren leider auch viele politische Entscheidungstr\u00e4ger. Die wenigsten haben Erfahrung in der schweren Aufgabe, kranke und sterbende Menschen zu begleiten . Auch wenn Politiker es nicht gerne h\u00f6ren, so sind es doch noch immer jene \u00c4rzte, welche Tag f\u00fcr Tag mit dieser Aufgabe konfrontiert sind, die am besten qualifiziert sind, um in diesen Fragen geh\u00f6rt zu werden und Entscheidungen zu treffen.<\/p>\n<p>Es ist auch klar, dass deshalb \u00e4rztlicherseits der Handlungsbedarf zuerst und vor allem in der Palliativ-Medizin und nicht im \u201everordneten Tod\u201c gesehen wird; als Berufsgruppe werden die \u00c4rzte hier zu Handlangern von nicht-medizinischen Interessen gemacht.<\/p>\n<p><strong>7. Es geht nicht um ein Versagen der Medizin an sich<\/strong><\/p>\n<p>Die beunruhigenden und schrecklichen Berichte \u00fcber Erlebnisse von \u201eunw\u00fcrdigem\u201c Sterben, von denen so viele Menschen berichten, sind nicht auf ein Versagen der Medizin an sich zur\u00fcckzuf\u00fchren. Sie sind einerseits Hinweis auf die abnehmenden F\u00e4higkeiten unserer Gesellschaft, den Umgang mit Sterben und Tod in unser Leben zu integrieren und andererseits Zeugnis von strukturellen und pers\u00f6nlichen Unzul\u00e4nglichkeiten im Bereich von noch ungen\u00fcgend in palliativ-medizinischen Konzepten ausgebildeten Aerzten, Pflegekr\u00e4ften und anderen Angeh\u00f6rigen der Heilberufe. Wir brauchen in all diesen Berufen Menschen, die zuallererst H\u00f6rende und Empfangende sind und die\u00a0 sich Zeit nehmen f\u00fcr ein begleitendes Teilnehmen an einem gemeinsamen Weg, wo jeder \u2013auch der Kranke selbst- Gebender und Nehmender werden kann.<\/p>\n<p>In unseren Krankenh\u00e4usern, Alters-und Pflegeheimen besteht noch immer ein erschreckender Mangel an qualifiziertem Personal, welcher dem Wunsch nach Euthanasie indirekt Vorschub leistet.<\/p>\n<p><strong>8. Wir brauchen nicht nur eine palliative Medizin, sondern eine palliative Kultur.<\/strong><\/p>\n<p>Mir k\u00f6nnen nicht zuviel an \u201epalliativer Kultur\u201c haben und deswegen sind die diesbez\u00fcglichen Aussagen von Herrn Huss und des belgischen Onkologen Dr Lossignol gegen \u201ele tout-palliatif\u201c und gegen den \u201eacharnement palliatif\u201c, was soviel wie \u201epalliativer \u00dcbereifer\u201c heissen soll, nicht nur unsachlich und polemisch, sondern auch gef\u00e4hrlich, denn sie zeigen uns, dass diese nicht verstanden haben, was das Wort \u201epalliativ\u201c eigentlich bedeutet.<\/p>\n<p>\u201ePallium\u201c bedeutet \u00fcbersetzt einfach \u201e(Schutz-)Mantel\u201c und palliativ bedeutet somit, dass jeder, und zwar priorit\u00e4r die Schw\u00e4chsten unserer Gesellschaft, am st\u00e4rksten ge-und besch\u00fctzt werden und das bekommen, was sie f\u00fcr ein \u201eLeben in W\u00fcrde\u201c ben\u00f6tigen, und dies kommt noch vor einem \u201eSterben in W\u00fcrde\u201c.<\/p>\n<p>In die Politik \u00fcbersetzt heisst das, dass wir nicht nur eine palliative Medizin, sondern dar\u00fcber hinaus eine palliative Kultur entwickeln m\u00fcssen, ohne die erstere weder begr\u00fcndet noch ausgebaut werden kann. Es ist dies eine \u201eLeitkultur\u201c, die sich zum Ziel setzt, dass alles gedacht und getan wird, dass gerade die Schw\u00e4chsten unserer Gesellschaft an der Gemeinschaft ohne besondere Einladung oder Fremdhilfe teilnehmen k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>Und diese palliative Kultur beginnt schon bei der H\u00f6he der B\u00fcrgersteige und bei der L\u00e4nge der \u201eGr\u00fcnphasen\u201c bei unseren Fussg\u00e4nger-\u00dcberg\u00e4ngen. Erstere wurden n\u00e4mlich an vielen Stellen auf 3-5 cm erniedrigt, aber ohne dabei zu bedenken, dass \u00e4ltere und behinderte Menschen mit ihrem Gehgestell oder Rollstuhl dort oft an diesem Hindernis scheitern, da sie nicht mehr die Kraft\u00a0 zum Hochheben haben. Meine Mutter (82) hatte es vor kurzem in Luxemburg-Stadt noch einmal versucht, von ihrem Altersheim St Jean beim \u201eRouseg\u00e4rtchen\u201c bis zu ihrer Buchhandlung in der Bourbonstrasse zu gehen und dann stand sie auf einmal in der Avenue de la Libert\u00e9 mitten auf der Fahrbahn, und die Gr\u00fcnphase war nat\u00fcrlich f\u00fcr Fussg\u00e4nger schon beendet und sie schaffte es einfach nicht, ihr Gehgestell \u00fcber dieses 5 cm hohe\u00a0 gedankenlos angebrachtes und nutzloses Hindernis hinwegzuheben. Gottseidank half ihr ein Fremder, auf den Gehsteig hinaufzukommen. Nun traut sie sich nicht mehr auf die Strasse und sie f\u00fchlt sich \u00fcberfl\u00fcssig und f\u00fcr die Mitmenschen zur Last und Belastung geworden. Sie kann aus diesem Grund in der Stadt auch nicht mehr mit dem Bus fahren, da ihr sehr oft freiwillig kein Sitzplatz angeboten wird und der Bus meistens so schnell anf\u00e4hrt, dass sie schon zu Boden gest\u00fcrzt ist, bevor sie \u00fcberhaupt einen Sitzplatz erreichen k\u00f6nnte. Gleiches gilt f\u00fcr Fahrten mit dem Zug, wo niemand mehr fragt, ob einer der Passagiere Hilfe beim Ein-und Aussteigen brauche, usw.<\/p>\n<p>Ich habe es immer schon gesagt, dass die Vorbereitung zum Euthanasie-Denken schon beim \u00f6ffentlichen Transport beginnt.<\/p>\n<p>Wenn wir es nicht schaffen, diesen schw\u00e4cheren Mit-Menschen, welche nicht mehr so gut und so schnell \u201efunktionieren\u201c, das Gef\u00fchl zu geben, dass sie ge-und besch\u00fctzt (siehe \u201ePallium\u201c) werden, dann brauchen wir uns auch nicht zu wundern, wenn sie fr\u00fch- und vorzeitig bereit sind, Schluss zu machen und ihrem Leben ein Ende zu bereiten (bereiten zu lassen), sobald sie auf die Hilfe und Unterst\u00fctzung anderer Menschen angewiesen sind.<\/p>\n<p><strong>9. Es handelt sich nicht um eine religi\u00f6se Frage<\/strong><\/p>\n<p>Die Behauptung, dass die Gegnerschaft zur Euthanasie ja nur aus religi\u00f6sen Gr\u00fcnden erfolge, welche somit f\u00fcr alle nicht religi\u00f6s gebundenen Menschen ohne Belang seien, ist eine der vielen Umdeutungsversuche der Pro-Euthanasie-Bewegung, welche wir klar zur\u00fcckweisen k\u00f6nnen, wie es ja aus allem bisher Gesagten schon hervorgeht. Wir m\u00fcssen uns andererseits sehr bem\u00fchen, einen intelligenten und respektvollen Umgang mit unseren politischen Gegnern zu fordern und zu f\u00f6rdern und dies setzt zuerst einmal voraus, dass beide Seiten grunds\u00e4tzlich darin \u00fcbereinstimmen, das es kluge und intelligente Gl\u00e4ubige und kluge und intelligente Atheisten gibt. Diese Diskussion wird in Luxemburg aber derzeit von einem wenig intelligenten und wenig gebildeten atheistischen Fundamentalismus bestimmt, welcher geistig im \u201eKulturkampf\u201c des vorletzten Jahrhunderts stehen geblieben ist, wobei die meisten christlichen Kirchen sich in den letzten 150 Jahren sehr positiv und welt-und geist-offen weiterentwickelt haben. Beide Weltanschauungen, ob religi\u00f6s oder atheistisch, haben eine gemeinsame Verantwortung f\u00fcr die friedliche Entwicklung unsererer Welt, und der geistlose Hass gegen alles Religi\u00f6se, dem wir t\u00e4glich in den meisten unserer Medien begegnen, ist sicher keine Werbung f\u00fcr den Atheismus \u201emade in Luxembourg\u201c und der arme\u00a0 Sokrates w\u00fcrde sich im Grab umdrehen, wenn er w\u00fcsste, wof\u00fcr sein Name bei uns missbraucht wird.<\/p>\n<p><strong>10.Der Rechtsstaat ist in Gefahr<\/strong><\/p>\n<p>Dieses Gesetz \u00e4ndert zuletzt nicht nur unsere Auffassung des Rechtsstaates, sondern den Rechtsstaat selbst.<\/p>\n<p>Es geht um den Entwurf einer neuen Gesellschaft und die Autoren des Gesetzesvorschlags Err\/Huss haben dies auch nie zu verheimlichen versucht. Es geht in diesem Gefolge auch um die Neu-Definition von Leben, Sterben und Tod und hier beginnt auch das Problem f\u00fcr unseren Rechtsstaat, denn die neue Gesellschaftsordnung untergr\u00e4bt wesentliche bisher tragende Elemente.<\/p>\n<p>Das Prinzip, dass das Leben zu sch\u00fctzen sei, ist eines der Fundamente unseres Rechtsstaats.\u00a0Menschen die Verf\u00fcgungsgewalt \u00fcber die Beendigung des Lebens anderer Menschen zuzusprechen, hat eine nicht \u00fcbersehbare Tragweite und birgt die Gefahr der schleichenden Ausweitung der T\u00f6tung auf Verlangen auf andere Patienten, die nicht danach verlangen. Der Akt vollzogener T\u00f6tung auf Verlangen ist unwiderruflich und nur schwer vor Missbrauch zu sch\u00fctzen, wobei wie schon oben beschrieben der moralische Missbrauch oft dem legalen vorausgeht.<\/p>\n<p>Oft ist die Not der Angeh\u00f6rigen bzw. des sozialen Umfelds gr\u00f6\u00dfer als die (subjektive) Not der Patienten. Aus meiner Erfahrung weiss ich, dass die gezielte Unterst\u00fctzung von Angeh\u00f6rigen auch Patienten sp\u00fcrbar entlasten kann.<\/p>\n<p>Eines der grossen Ziele der Pro-Euthanasie-Bewegung ist das Schaffen einer neuen Gesellschaftsordnung und die Sprachregelungen des Gesetzesvorschlags Err\/Huss wollen \u2013 wie in Belgien und den Niederlanden- den Boden hierf\u00fcr bereiten.<\/p>\n<p>Im Bereich der Anwendungsbedingungen ist es sehr problematisch, dass einerseits das Palliativgesetz von einer \u201ephase avanc\u00e9e ou terminale d\u2019une affection grave et incurable\u201c und andererseits der Gesetzesvorschlag Err\/Huss \u201esur le droit de mourir en dignit\u00e9\u201c von einer \u201esituation m\u00e9dicale sans issue\u201c plus \u201esouffrance physique ou psychique constante et insupportable sans perspective d\u2019am\u00e9lioration\u201c spricht. Beide Definitionen treffen eben auch auf Menschen zu, die nicht am Sterben sind, wie Mme S\u00e9bire, Hugo Claus, die Tochter von Mme Debaine und viele andere, welche noch Jahre vor sich hatten und nicht ein paar Tage oder Wochen.<br \/>\nWenn die Technik der terminalen oder palliativen Sedierung auf diese Menschen angewandt wird, entspricht dies wirklich unserer (und nicht nur christlicher) Definition nach einem Mord und sie unterscheidet sich nur technisch, aber nicht moralisch von der Euthanasie und bleibt somit auch weiterhin strafgesetzlich als solcher zu ahnden.<\/p>\n<p>Wir kannten bisher auf unseren Intensivstationen und auch im haus\u00e4rztlich versorgten Bereich dieses Problem nicht, weil die palliative oder terminale Sedierung sich auf Menschen beschr\u00e4nkt hat, deren Lebenserwartung nicht in Monaten oder Jahren, sondern in Tagen oder Wochen zu z\u00e4hlen war.In diesen F\u00e4llen herrscht \u00dcbereinstimmung, dass jene Sedierung,welche auf dem Weg zur Symptom-Kontrolle n\u00f6tig war und dabei den \u00a8schnelleren\u201c\u00a0 Tod als Nebenwirkung billigend in Kauf genommen hat, qualitativ nicht als Mord einzustufen war, da nicht nur das Ziel ein anderes, n\u00e4mlich die Linderung von Schmerzen war, sondern da auch die Definition des Sterbenden nicht umstritten war.<\/p>\n<p>Diese palliative oder terminale Sedierung wird aber dann unausweichlich zum Mord, wenn sie bei Menschen wie Madame S\u00e9bire, der Tochter von Mme Debaine oder Hugo Claus angewendet wird, da hier die Gesellschaft (und die Medizin) bisher nicht davon ausgegangen sind, dass der Sterbeprozess schon begonnen habe. Die Anwendungsbedingungen des Euthanasie-Gesetzesvorschlags werden zum Beispiel nat\u00fcrlich auch \u00f6fters auf einen schwer depressiven Menschen zutreffen, aber hier ist es ja Gott sei Dank noch den meisten von uns klar (nicht so in den Niederlanden und in Belgien), dass dieser weder euthanasiert noch palliativ\/terminal sediert werden solle, denn beides w\u00e4re Mord, beziehungsweise im Fall einer Beihilfe zum Suizid schlicht und einfach \u201enon-assistance \u00e0 personne en danger\u201c.<\/p>\n<p>Das wichtigste Problem besteht in diesem Zusammenhang darin, dass die Autoren des Gesetzesvorschlags Err\/Huss unter der Fahne von Freiheit, Autonomie und Selbstbestimmung das Recht auf Sterben schlechthin, und damit ein neues Gesellschaftsmodell einf\u00fchren wollen, wo der Sterbeprozess paradoxerweise und parallel zum Lebens-und Altersprozess schon bei der Empf\u00e4ngnis beginnt und jeder \u2013gewissermassen als Freiheitsoption- f\u00fcr sich selbst oder auch f\u00fcr andere, denen wir das Selbstbestimmungsrecht noch nicht oder nicht mehr zusprechen, bestimmen kann, wann bei ihm das Sterben begonnen hat.<\/p>\n<p>Bei Hugo Claus eben schon viele Jahre vor seinem nat\u00fcrlichen Ende, bei der behinderten Tochter von Mme Debaine, welche von ihrer Mutter in der Badewanne ertr\u00e4nkt wurde, w\u00e4ren es Jahrzehnte gewesen und bei Mme S\u00e9bire eben noch Jahre usw. Das klingt dann so, wie Mme Liliana Miranda es implizit in ihrem uns\u00e4glichen Editorial im \u201eQuotidien\u201c vom 11. April 2008 geschrieben hat, dass das Sterben eben auch dann beginnen kann, wenn ich f\u00fcr mich selbst oder (wie im Fall Debaine) f\u00fcr einen anderen entscheide, das solches Leben ja eigentlich kein richtiges Leben mehr sei. Es ist das zweifelhafte Verdienst von Mme Miranda, zum ersten Mal ganz klar geschrieben zu haben, worum es hier geht und sie lieferte in der Luxemburger Euthanasie-Diskussion das erste Beispiel daf\u00fcr , wie schnell mit diesem Euthanasie \u2013Gesetzesvorschlag die \u201epente glissante\u201c vom moralischen Missbrauch direkt zum legalen Missbrauch f\u00fchren kann.<\/p>\n<p>Somit irrt der Text von Henri Etienne auch hier. Das Palliativgesetz ist f\u00fcr unseren Rechtsstaat keine Gefahr, denn es stellt -im Gegensatz zum Euthanasie-Gesetzesvorschlag- nicht das Strafgesetz in Frage, sondern ist diesem (zurecht) ohne vorhergehende Ab\u00e4nderungen in allen Anwendungsbereichen unterworfen.<\/p>\n<p>Die eigentlich neue Wahl-M\u00f6glichkeit, welche Mme Err und Herr Huss uns geben wollen, ist die zu einer neuen Definition von Sterben, von Autonomie und Freiheit. Es geht bei ihnen eben nicht nur um den \u201edroit de mourir dans la dignit\u00e9\u201c, sondern um den \u201edroit de mourir\u201c an sich: Die Definitionen in ihrem Gesetzesvorschlag sind deshalb bewusst ganz subjektiv gehalten, denn es soll ja in Zukunft nur das betroffene Subjekt selbst bestimmen k\u00f6nnen, wann der Zeitpunkt gekommen ist, und dies entspricht dann eben nach ihrer Definition allein dem Begriff der \u201eW\u00fcrde\u201c: \u201epas de dignit\u00e9 sans le droit de mourir\u201c.<\/p>\n<p>Luxemburger Wort<br \/>\n17.5.2008<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<\/p>\n<p> Eine Anwort nicht nur auf Henri Etienne <\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" lang=\"de-DE\" align=\"justify\">\n<p>Dr. Robert Thill-Heusbourg Facharzt f\u00fcr Neurologie Diplom f\u00fcr Psychotherapeutische Medizin<\/p>\n<p>1.Euthanasie ist das falsche Wort. Euthanasie heisst bewusstes T\u00f6ten eines Menschen mit den Unterscheidungen freiwillig, nicht freiwillig und unfreiwillig. Die Depenalisierung des T\u00f6tens , das Aufgeben des \u201eT\u00f6tungsverbots\u201c zerst\u00f6rt ein Fundament unserer [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-68","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euthanasie","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=68"}],"version-history":[{"count":8,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":93,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/68\/revisions\/93"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=68"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=68"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=68"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}