{"id":56,"date":"2008-02-22T09:49:42","date_gmt":"2008-02-22T08:49:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=56"},"modified":"2017-09-21T08:51:57","modified_gmt":"2017-09-21T07:51:57","slug":"friedhofe-nicht-nur-in-unseren-kopfen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=56","title":{"rendered":"Friedh\u00f6fe nicht nur in unseren K\u00f6pfen"},"content":{"rendered":"<p><!-- @page { size: 21cm 29.7cm; margin: 2cm } P { margin-bottom: 0.21cm } --><\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"justify\">\n<p>Dass es unter einer CSV-gef\u00fchrten Regierung m\u00f6glich war, dass ein Gesetz \u00fcber die T\u00f6tung auf Verlangen und die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung bei \u201eunheilbar Kranken\u201c (ich verwende bewusst nicht den irref\u00fchrenden Ausdruck \u201eEuthanasie\u201c) im Parlament zur Abstimmung vorgelegt wird und unsere Parlamentarier ohne Fraktionszwang und nur ihrem eigenen Gewissen verpflichtet es am 19. Februar 2008 mehrheitlich bef\u00fcrwortet haben , ist ein f\u00fcr mich als Arzt und Privatperson sehr \u00fcberraschendes und erschreckendes Zeichen, auch wenn die Mehrzahl der CSV-Abgeordneten mit Nein stimmten.<\/p>\n<p><!--more--><\/p>\n<p>Es war ein schwarzer Tag f\u00fcr Luxemburg, auch wenn das Abstimmungsergebnis wahrscheinlich die Meinung der Luxemburger Bev\u00f6lkerung widerspiegelt. Vox populi, vox Dei? Davon spricht ja sowieso kein Mensch mehr. Aber bis zu welchem Punkt akzeptieren wir, dass Statistik normativ wird und dass Gesetze unser Moral- Empfinden so entscheidend pr\u00e4gen? Von einer CSV-gef\u00fchrten Regierung erwarte ich eigentlich auch eine andere Art des Umgangs mit ihrer Richtlinien-Kompetenz.<\/p>\n<p>Die christliche Weltanschauung hat genau soviel \u00d6ffentlichkeitsrecht und Anspruch wie die atheistische. Es gibt keine Politik ohne Weltanschauung und es gibt keine Weltanschauung ohne politische Dimension. Die christliche Weltanschauung unterscheidet sich von anderen auch dadurch, dass sie uns bez\u00fcglich unserer Verantwortung f\u00fcr andere, und hier vor allem f\u00fcr die Schw\u00e4chsten unserer Gesellschaft mehr in die Pflicht nimmt. Dieses Gesetz \u00fcber die T\u00f6tung auf Verlangen und die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung schw\u00e4cht unsere Solidar-Gemeinschaft an ihren Grundpfeilern. Das was jetzt noch ein Recht ist, wird von den Schw\u00e4chsten unserer Gesellschaft bald schon als Pflicht wahrgenommen werden, sowie wir das schon im Umgang mit der Nicht-Abtreibung behinderter Kinder kennengelernt haben. Viele dieser Eltern werden n\u00e4mlich von lieben Mitmenschen daran erinnert, dass \u201edas\u201c doch heute nicht mehr h\u00e4tte \u201epassieren\u201c m\u00fcssen, und ich kenne mehrere F\u00e4lle, wo Eltern von Mitb\u00fcrgern daran erinnert wurden, dass sie eigentlich f\u00fcr die Mehrkosten der Ausbildung und Betreuung ihrer behinderten Kinder selbst aufkommen m\u00fcssten, da sie \u201ees\u201c ja h\u00e4tten verhindern k\u00f6nnen. Es sind diese Menschen, die \u201eungeboren\u201c mit \u201enoch nicht auf der Welt\u201c verwechseln, und die Vizepr\u00e4sidentin der franz\u00f6sischen Abtreibungszentren (ANCIC), Mme Birman, hat noch k\u00fcrzlich das Urteil des franz\u00f6sischen Kassationsgerichtshofes, nachdem in Zukunft ein totgeborener Foetus ohne R\u00fccksicht auf Alter oder Gewicht als Rechtsperson zu betrachten sei und dem Standesamt gemeldet werden k\u00f6nne, als \u201eextrem gef\u00e4hrlich\u201c bezeichnet, da es die Frauen daran erinnere, dass es sich beim Foetus um ein menschliches Im Original-Ton (zitiert nach Le Parisien): \u201eLes femmes ne peuvent pas vivre avec de tels cimeti\u00e8res dans la t\u00eate.<\/p>\n<p>Die Grenzen unserer Sprache sind bekanntlich oft auch die Grenzen unserer Welt. Die Regierungspartei, die das christliche \u201eC\u201c im Namen f\u00fchrt, h\u00e4tte ein anderes Zeichen setzen m\u00fcssen, auch wenn die Statistik im Parlament und im Volk eine andere Sprache sprechen. Eine solche Partei muss ihre Verantwortung anders wahrnehmen und dazu geh\u00f6rt auch der Charakter des \u201eProphetischen\u201c im Alltag der Politik und sie darf den Umgang mit dem menschlichen Leben nicht einfach einem Abstimmungsergebnis nachordnen.<\/p>\n<p>Wir wissen also, was jetzt kommt und angesichts meiner zwanzigj\u00e4hrigen Berufserfahrung auch mit unheilbar kranken, behinderten und sterbenden Menschen (und mit ihren Familien), habe ich berechtigte Zweifel daran, dass der Mensch f\u00e4hig ist, mit einem solchen Gesetz verantwortungsvoll umzugehen, und das niederl\u00e4ndische Beispiel spricht B\u00e4nde hierzu. Das ist eine Gesellschaft, die nur mehr Rechte und wenig Pflichten kennt und die unter dem Stichwort \u201eLeben\u201c eigentlich einer Kultur des Todes das Wort redet.<\/p>\n<p>Die CSV und ihre F\u00fchrung haben eine sehr wichtige Gelegenheit verpasst, ein Zeichen zu setzen. Unser Haus wird w\u00e4hrend sieben Tagen mit einer Trauer-Flagge daran erinnern.<\/p>\n<p>*Facharzt f\u00fcr Neurologie, Psychotherapeut<br \/>\nH\u00f4pital Saint Louis<br \/>\nEttelbruck<\/p>\n<p>Luxemburger Wort, 22. Februar 2008<\/p>\n<p><a href=\"http:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/wp-content\/uploads\/Friedho\u0308fe-nicht-nur-in-unseren-Ko\u0308pfen.pdf\">Friedho\u0308fe nicht nur in unseren Ko\u0308pfen<\/a><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<\/p>\n<p style=\"margin-bottom: 0cm;\" align=\"justify\">\n<p>Dass es unter einer CSV-gef\u00fchrten Regierung m\u00f6glich war, dass ein Gesetz \u00fcber die T\u00f6tung auf Verlangen und die Beihilfe zur Selbstt\u00f6tung bei \u201eunheilbar Kranken\u201c (ich verwende bewusst nicht den irref\u00fchrenden Ausdruck \u201eEuthanasie\u201c) im Parlament zur Abstimmung vorgelegt wird und unsere Parlamentarier ohne Fraktionszwang und nur ihrem eigenen Gewissen verpflichtet es [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-56","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euthanasie","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=56"}],"version-history":[{"count":11,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":591,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/56\/revisions\/591"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=56"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=56"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=56"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}