{"id":532,"date":"2015-02-01T16:49:50","date_gmt":"2015-02-01T15:49:50","guid":{"rendered":"http:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=532"},"modified":"2015-04-28T08:17:18","modified_gmt":"2015-04-28T07:17:18","slug":"der-abschied-von-grenzen-und-ritualen-euthanasie-und-die-suche-nach-der-achtsamkeit-des-lebens","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/?p=532","title":{"rendered":"Der Abschied von Grenzen und Ritualen &#8211; Euthanasie und die Suche nach der Achtsamkeit des Lebens"},"content":{"rendered":"<p>Vortrag am Symposium \u00ab\u00a0Palliativ ohne Grenzen\u00a0\u00bb, Meran<\/p>\n<p>Themenschwerpunkt \u00ab\u00a0W\u00fcrde bis zuletzt\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>30.5.2014<\/p>\n<p>Dr Robert Thill-Heusbourg, H\u00f4pital Saint Louis<\/p>\n<p>Centre Hospitalier du Nord, Ettelbruck<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u201eDer Abschied von Grenzen und Ritualen\u201c <\/strong><\/p>\n<p><strong>\u2013 Euthanasie und die Suche nach der Achtsamkeit des Lebens<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich werde den Gedankenraum dieses Vortrags in einem Dreischritt mit ihnen begehen. Im ersten Gedankenraum begegnen wir dem Begriff der Grenzen\u00a0, im zweiten Gedankenraum begegnen wir dem Begriff der Rituale. Den dritten Gedankenraum habe ich in vier kleinere R\u00e4ume unterteilt\u00a0: Achtsamkeit, Askese des Raumes, Askese der Zeit, Langsamkeit.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ein alter Hofrat, den ich vor mehr als 30 Jahren in Graz kennen lernen durfte, pflegte seinen Vortr\u00e4gen immer eine Art kurzes Ritual einer \u00ab\u00a0Bitte um Nachsicht\u00a0\u00bb, einer \u00ab\u00a0captatio <!--more-->benevolentiae\u00a0\u00bb mit den Worten voranzustellen\u00a0: \u00ab\u00a0Unvorbereitet wie ich mich habe\u00a0\u00bb und ich habe dieses Ritual sp\u00e4ter bei meinen eigenen Vortr\u00e4gen \u00fcbernommen. Heute ist es zum erstenmal, wo ich mich von diesem Ritual bewusst und in Anlehnung an mein Thema verabschiede und versuche, die Grenze zu Ihnen sozusagen wehrlos zu \u00fcberschreiten.<\/p>\n<p><strong>Erster Gedankenraum\u00a0: Grenzen<\/strong><\/p>\n<p>Ein paar kurze Bemerkungen zu Grenzen und zur Bedeutung von Grenz\u00fcberschreitungen vorab:<\/p>\n<p>Als wir 2003 in Ettelbruck unser Klinikum neu bauten, hatten die Architekten die Idee, die Palliativstation nicht nur <em>nicht<\/em> im allgemeinen Bettenfl\u00fcgel, sondern im ruhigeren zentralen Verwaltungsturm unterzubringen, andererseits aber auch nach aussen eine Grenze zu \u00fcberschreiten, indem sie die Zimmer einfach einen Meter \u00fcber die Fassade hinauswachsen lie\u00dfen\u00a0: zeichenhaft f\u00fcr das Mehr an Engagement, Zeit und Raum, was die Palliativmedizin von uns einfordert.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Wappen Karls V. symbolisieren die S\u00e4ulen des Herakles noch die Grenzen der alten Welt, das \u201cNon plus ultra\u201d, das \u201cHier geht es nicht mehr weiter\u201d, konkret bei den Ph\u00f6niziern die Meerenge von Gibraltar, aber Karl V. hatte diese S\u00e4ulen dann nach seinem Vorstoss nach Amerika mit einem neuen Spruchband mit seinem nun modifizierten Wahlspruch \u201cplus ultra\u201d, also \u201cdar\u00fcber hinaus\u201d, \u201cimmer weiter\u201d, versehen. Dieses \u201cPlus ultra\u201d ist nun auch zur Devise unserer globalisierten Welt geworden und dient quasi als Auftrag, alle bestehenden Grenzen, und nat\u00fcrlich besonders in den Geistes-und Naturwissenschaften, aber auch im religi\u00f6sen, ethischen und moralischen Geistesraum in Frage zu stellen.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In dem sch\u00f6nen Buch \u201cDer Wahlkampf der Tiere\u201d steht im Bericht \u00fcber den Wahlkampf des Fuchses der Satz: \u201cDer Fuchs war f\u00fcr L\u00e4nder ohne Grenzen. Dabei zwinkerte er besonders den G\u00e4nsen zu.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Auch die 2008 ver\u00f6ffentlichte grosse Allensbach-Umfrage zum Thema Sterbehilfe in Deutschland unterschied sich in ihrer demagogischen Fragestellung nicht von den bei uns in Luxemburg durchgef\u00fchrten. Mit Fragen im Stil von: \u201cWollen Sie, dass Menschen, die vor ihrem Tod schreckliche Schmerzen erleiden m\u00fcssen, durch eine Spritze zum Sterben geholfen werden kann?\u201d erschafft man sich die vorher gew\u00fcnschte Zustimmung. Dass die\u00a0 M\u00f6glichkeiten der Palliativmedizin hier nicht einmal mehr erw\u00e4hnt<br \/>\nwerden, zeigt nur, dass es sich im Kopf der Fragesteller eigentlich schon nicht mehr um einen medizinischen, sondern nur mehr um einen ideologischen Zusammenhang handelt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es geht der Mehrzahl unserer Politiker und Euthanasie-Bef\u00fcrworter leider\u00a0 nicht um Palliativmedizin\u00a0 o d e r\u00a0\u00a0 Euthanasie, wie wir (allzu) lange geglaubt haben, sondern um Palliativmedizin\u00a0 u n d\u00a0\u00a0 Euthanasie, als zwei philosophisch und technisch v\u00f6llig voneinander getrennte \u201eOptionen\u201c, wie ein jeder seinen Lebensweg \u201efrei und w\u00fcrdig\u201c beeenden k\u00f6nne. Diese Worte deshalb hier noch in Anf\u00fchrungszeichen, da ein wirklich autonomer Mensch die Gestaltung seines Todes eigentlich ohne die Abh\u00e4ngigkeit von der Best\u00e4tigung eines \u00c4rztekollegiums planen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die Diskussionen jener Jahre und insbesonders die letzten \u00c4nderungsantr\u00e4ge der Luxemburger Gesetzesvorschlagsautoren haben hingegen klar gezeigt, dass eine Trennung\u00a0 im sachlichen und sprachlichen Bereich\u00a0 notwendig sein wird. Wir haben irrt\u00fcmlich geglaubt, dass wir nur bessere \u00c4rzte werden m\u00fcssten, um die Menschen besser im Sterben\u00a0 begleiten zu k\u00f6nnen und somit den Wunsch nach Euthanasie \u00fcberfl\u00fcssig zu machen. Wir haben (vergeblich) versucht, den Bef\u00fcrwortern der Euthanasie die Abl\u00e4ufe im medizinischen Qualit\u00e4tsmanagement nahezubringen, um sie davon zu \u00fcberzeugen, dass erst eine korrekte Evaluierung der jetzigen Sterbekultur die Voraussetzungen und Grundlagen schaffen k\u00f6nnte, mit denen man die Euthanasie-Diskussion im richtigen Rahmen f\u00fchren k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Paul Tillich hat gesagt, dass die Grenze der eigentlich fruchtbare Ort der Erkenntnis sei. Wir haben durch diese Grenz\u00fcberschreitungen etwas Wichtiges\u00a0 gelernt, aber wir haben einfach aneinander vorbei geredet. Wenn wir auch\u00a0 zuletzt \u00fcber die irref\u00fchrende und manipulierende Fragestellung der Allensbacher Umfrage emp\u00f6rt waren und uns fragten, wieso denn auch diese Fragesteller das (korrekte) Junktim mit der Palliativmedizin unterliessen, so zeigte es diese Erhebung von 2008 ganz klar, dass dieses Junktim gar nicht vergessen oder gar unterschlagen wurde, sondern f\u00fcr die Fragesteller im jetzigen gesellschaftspolitischen Kontext einfach nicht mehr gegeben war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das TransMIT-Projektbereich f\u00fcr Versorgungsforschung und Beratung in Gie\u00dfen hat im Zeitraum 2012 bis 2013 eine empirische Studie zu den psychosozialen und medizinisch-pflegerischen Bedingungen der Sterbebetreuung in deutschen Krankenh\u00e4usern durchgef\u00fchrt. Mehr als 1\u00a0400 Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen (darunter 269\u00a0\u00c4rzte\u00a0und \u00c4rztinnen) wurden in 212 strukturiert ausgew\u00e4hlten Krankenh\u00e4usern aller 16 Bundesl\u00e4nder Deutschlands befragt.\u00a019 Prozent aller Befragten gaben an, \u00fcber eine gute, beziehungsweise sehr gute Ausbildung\u00a0zu verf\u00fcgen, doppelt so gro\u00df (38 Prozent) ist der Anteil derer, die diese als mangelhaft beschreiben. Dabei ist die Situation bei den \u00c4rzten und \u00c4rztinnen noch unbefriedigender: Keiner der Befragten gab\u00a0an, \u00fcber eine gute oder sehr gute\u00a0Ausbildung\u00a0zu verf\u00fcgen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es stellt sich hier die nicht sarkastisch gemeinte Frage, ob die Gesellschaft im Rahmen der nun bestehenden Euthanasie-Gesetze die f\u00fcr die Sterbebegleitung nachweislich ungen\u00fcgend ausgebildeten \u00c4rzte noch einer Sonderausbildung im T\u00f6ten unterziehen sollte oder ob gerade diese schlechte Ausbildung nicht die beste Voraussetzung f\u00fcr die Durchf\u00fchrung der Euthanasie darstellt. Die Gefahr, dass sich auch schlecht ausgebildete \u00c4rzte weniger Fragen stellen als sie sollten, ist gro\u00df und unterscheidet sich nur in den m\u00f6glichen Konsequenzen, nicht aber im Grunds\u00e4tzlichen von der Situation anderer Berufsgruppen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Der Abschied von Grenzen meint sicher einerseits Gutes und Erstrebenswertes: vor allem k\u00fcnstliche oder gewachsene Grenzen, die den Austausch und die Kommunikation zwischen Menschen erschweren oder behindern; auch diese Veranstaltungsreihe steht unter der positiven Vorgabe dieser \u00dcberwindung von r\u00e4umlichen Grenzen. Wenn wir aber sagen \u201cPalliativ ohne Grenzen\u201d m\u00fcssen wir genau sagen, was wir meinen, denn es k\u00f6nnte auch anderes hei\u00dfen: dass wir n\u00e4mlich auch dort Grenzen \u00fcberschreiten, wo es aus vielen guten Gr\u00fcnden eigentlich geboten w\u00e4re, sie nicht nur zu respektieren, sondern auch einzuhalten. Die Spaltung der Palliativmedizinischen Bewegung in Belgien in einerseits Euthanasie klar bef\u00fcrwortende und andererseits sich von Euthanasie klar abgrenzenden Medizinischen Gesellschaften sei hier von mir als nur ein sehr konkretes Beispiel warnend angef\u00fchrt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Da\u00df der bekannte belgische Euthanasie-und (!) Palliativ-Mediziner Dr. Dominique Lossignol sich in einem 2008 erschienen Artikel in einer Fachzeitschrift der Freien Universit\u00e4t Br\u00fcssel stolz\u00a0 und erfreut dar\u00fcber \u00e4ussert, dass neben der Beschreibung der Kunst des Heilens nun auch die der Kunst des guten T\u00f6tens Eingang in den Codex der Berufspflichten der belgischen \u00c4rzte gefunden habe, ist eigentlich nur ein weiteres trauriges Beispiel daf\u00fcr, wie der \u00e4rztliche Berufsstand, der \u00fcber Jahrtausende als Garant f\u00fcr Solidarit\u00e4t und F\u00fcrsorge beispielgebend war, nun im 21. Jahrhundert im Namen der Ideologie und des Zeitgeistes seine eigene Identit\u00e4t preisgibt und damit den allgemeinen Werteverfall weiter f\u00f6rdert. Der T\u00f6tungsakt wird hier erstmalig im Lauf der Geschichte als medizinische Handlung bezeichnet.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Zweiter Gedankenraum: Rituale<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Rituale sind nach einer der vielen Definitionen eine nach einer Regel ablaufende Handlung, welche nicht nur einen Zweck verfolgt, sondern zugleich einen Sinn tragen soll. In Analogie zum Sakrament sind sie auch Zeichen, welche bewirken, was sie bezeichnen; Erhard Weiher sagt in seinem Buch zur \u201cGrammatik der Spiritualit\u00e4t\u201d, dass Rituale auf symbolische Weise etwas Bedeutungsvolles \u201csagen\u201d, indem sie es \u201ctun\u201d. Da Rituale also eine Verwandlung bewirken sollen und k\u00f6nnen, sind sie wirkm\u00e4chtige Zeichen mit Konsequenzen im intra-und interindividuellen Bereich und sie k\u00f6nnen also, wenn wir uns auf unser unser Thema beziehen, sowohl intrinsische als auch extrinsische Menschenbilder pr\u00e4gen bzw ver\u00e4ndern.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Rituale k\u00f6nnen also durch ihre verwandelnde Kraft sowohl Gutes als auch Schlechtes bewirken, und die Wirkungen beschr\u00e4nken sich dabei nicht immer auf den urspr\u00fcnglichen Zusammenhang. Ich m\u00f6chte ihnen hierzu ein Beispiel erz\u00e4hlen aus Frankreich zum Thema Beeinflussung eines intrinsischen und extrinsischen Menschenbildes durch eine Diskussion zum Thema Rituale bei Totgeburten, welches sp\u00e4ter die Euthanasie-Debatte von 2008 in Luxemburg entscheidend gepr\u00e4gt hat. Die Vizepr\u00e4sidentin der franz\u00f6sischen Abtreibungszentren (ANCIC), Mme Chantal Birman, hatte kurz vorher das Urteil des franz\u00f6sischen Kassationsgerichtshofes, nachdem in Zukunft ein totgeborener Foetus ohne R\u00fccksicht auf Alter oder Gewicht als Rechtsperson zu betrachten sei und dem Standesamt gemeldet werden k\u00f6nne, als \u201eextrem gef\u00e4hrlich\u201c bezeichnet, da es die Frauen daran erinnere, dass es sich beim Foetus um ein menschliches Wesen handle. Im Original-Ton (zitiert nach Le Parisien): \u201eLes femmes ne peuvent pas vivre avec de tels cimeti\u00e8res dans la t\u00eate.\u201c (Die Frauen k\u00f6nnen nicht mit solchen Friedh\u00f6fen in ihren K\u00f6pfen leben.) Ich habe 2008 dann im Anschluss an die Annahme des Euthanasiegesetzes in erster Lesung durch das Luxemburger Parlament im Februar 2008 in einem politischen Artikel \u00fcber dieses Beispiel berichtet und den Artikel mit der \u00dcberschrift versehen\u00a0: \u00ab\u00a0Friedh\u00f6fe nicht nur in unseren K\u00f6pfen.\u00a0\u00bb Es war dies am Anfang einer grossen B\u00fcrgerinitiative gegen dieses Gesetz.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In seinem Editorial zur Juni-Ausgabe 2001 der Zeitschrift \u201cDenken und Glauben\u201d zum Thema \u201cRituale\u201d schrieb der Grazer Hochschulseelsorger Edmund Muhrer:<\/p>\n<p>Peter Handke hat (\u2026) nicht von ungef\u00e4hr die Schauspieler seiner \u00ab\u00a0Hilferufe\u00a0\u00bb angehalten, zuerst einmal die Litaneien in den katholischen kirchen anzuh\u00f6ren. Handke war es auch, der den hintergr\u00fcndigen Hinweis gegeben hat, dass die Wiederholung im Sinne von \u00ab\u00a0wieder holen\u00a0\u00bb zu verstehen sei. Rituale k\u00f6nnen daher im Glauben wie im Leben eine Hilfe sein, Dinge wieder zur\u00fcckzuholen, die uns abhanden gekommen sind.\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>Im \u00ab\u00a0Kleinen Prinzen\u00a0\u00bb von Antoine de Saint Exup\u00e9ry heisst es im Gespr\u00e4ch zwischen dem z\u00e4hmungsbed\u00fcrftigen Fuchs und dem wissensbegierigem kleinen Prinzen:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;<em>Es w\u00e4re besser gewesen, du w\u00e4rst zur selben Stunde wiedergekommen&#8221;, <\/em>sagte der Fuchs. <em>&#8220;Wenn du zum Beispiel um vier Uhr nachmittags kommst, kann ich um drei Uhr anfangen, gl\u00fccklich zu sein. Je mehr die Zeit vergeht, um so gl\u00fccklicher werde ich mich f\u00fchlen. Um vier Uhr werde ich mich schon aufregen und beunruhigen; ich werde erfahre, wie teuer das Gl\u00fcck ist. Wenn du aber irgendwann kommst, kann ich nie wissen, wann mein Herz da sein soll &#8230; Es mu\u00df feste Br\u00e4uche geben.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p><em>&#8220;Was hei\u00dft ,fester Brauch?&#8217;\u201d,<\/em> sagte der kleine Prinz<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&#8220;<em>Auch etwas in Vergessenheit Geratenes<\/em>&#8220;, sagte der Fuchs. &#8220;<em>Es ist das, was einen Tag vom andern unterscheidet, eine Stunde von den andern Stunden. Es gibt zum Beispiel einen Brauch bei meinen J\u00e4gern. Sie tanzen am Donnerstag mit dem M\u00e4dchen des Dorfes. Daher ist der Donnerstag der wunderbare Tag. Ich gehe bis zum Weinberg spazieren. Wenn die J\u00e4ger irgendwann einmal zum Tanze gingen, w\u00e4ren die Tage alle gleich und ich h\u00e4tte niemals Ferien.&#8221;<\/em><\/p>\n<p>(\u2026)<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In den Erz\u00e4hlungem der Chassidim erz\u00e4hlt uns Martin Buber folgende Geschichte:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><em>\u201eIn Ropschitz, Rabbi Naftalis Stadt, pflegten die Reichen, deren H\u00e4user einsam oder am Ende des Ortes lagen, Leute einzustellen, die nachts \u00fcber ihren Besitz wachen sollten. Als Rabbi Naftali sich eines Abends sp\u00e4t am Rande des Waldes erging, der die Stadt s\u00e4umte, begegnete er solch einem auf und nieder wandelnden W\u00e4chter. \u2013 F\u00fcr wen gehst du?\u00a0 fragte er ihn. Der gab Bescheid, f\u00fcgte aber die Gegenfrage daran: Und f\u00fcr wen geht Ihr, Rabbi? Das Wort traf den Rabbi wie ein Pfeil. \u2013 Noch gehe ich f\u00fcr niemand, brachte er m\u00fchsam hervor, dann schritt er lange schweigend neben dem Mann auf und nieder. \u2013 Willst du mein Diener werden? \u2013 fragte er endlich. \u2013 Das will ich gerne, antwortete jener, aber was habe ich zu tun? \u2013 Mich zu erinnern, sagte Rabbi Naftali.&#8221;<\/em><\/p>\n<p><em>&#8211;<\/em><br \/>\nPaul Daselaers, ehemaliger Spiritual am Priesterseminar in M\u00fcnster schreibt dazu in einem Kommentar: \u201eDer Rabbi will den W\u00e4chter, der so klar seinem Dienst nachgeht, f\u00fcr sich gewinnen. Er m\u00f6chte von ihm \u201eerinnert\u201c werden. \u201eErinnern\u201c ist lebensnotwendig. In der englischen Sprache hei\u00dft das Wort \u201eto remember\u201c und l\u00e4sst sich tiefsinnig verstehen: Wieder zugeh\u00f6rig werden, sich wieder zu einem Mitglied (member) machen. Erinnern hat mit einer Beziehungsaufnahme zu tun. \u201eF\u00fcr wen gehst du?\u201c &#8211; In der Antwort auf diese Frage gilt das gelebte Wort.\u201c<\/p>\n<table width=\"100%\">\n<tbody>\n<tr>\n<td><\/td>\n<\/tr>\n<\/tbody>\n<\/table>\n<p>Ich habe allen meinen sieben Kindern den Zweitnamen Maria gegeben, um sie einerseits zu erinnern an die Umwertung der Werte von stark und schwach, reich und arm im Magnifikat und andererseits daran, dass die Aufmerksamkeit das Wesen des Gebets und der Gastfreundschaft ist.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als meine 12 und 14 Jahre alten S\u00f6hne dieses Jahr gemeinsam mit ihren Ministrantenkollegen am Karsamstagmorgen in den Strassen unserer Stadt mit ihren Holzratschen anstelle der verstummten Kirchenglocken zum Angelusgebet aufriefen, fragte sie ein zuf\u00e4llig vorbeikommender Schulkollege aus dem Gymnasium neugierig und gar nicht ironisch, wof\u00fcr sie denn streikten\u2026<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem Interview von 2012 wurde Peter Handke gefragt, was denn f\u00fcr ihn Europa sei. Er antwortete:<\/p>\n<p><strong>Handke<\/strong>: Es ist schade, dass wir das geheimnisvolle Europa nicht mehr haben. Vor lauter offenen Grenzen gibt es keine Schwellen mehr. Es gibt kein Abenteuer mehr des anderen Landes.<\/p>\n<p>Der Journalist fragte nach\u00a0:<br \/>\n<em>Wieso w\u00fcnschen Sie die Grenzen zur\u00fcck?<\/em><\/p>\n<p>Darauf wieder<\/p>\n<p><strong>Handke<\/strong>:Alles ist so achtlos. Weil es keinen Widerstand mehr beim \u00dcberschreiten von Schwellen gibt, kommt eine grosse Achtlosigkeit zustande. Es muss aber einen Schwierigkeitsgrad geben f\u00fcr das Hinkommen, und wenn es nur die Sprachen sind oder das Alphabet, das Kyrillische zum Beispiel.\u201d<\/p>\n<p>Peter Handke, den ich in diesem Zusammenhang noch mehrmals zitieren werde, schrieb 1985 in der Geschichte des\u00a0Bleistifts\u00a0:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cIch erhielt die Nachricht vom Tod eines lieben Menschen und wollte an ihn denken, aber es gelang mir nicht. So verstand ich, dass es eine Zeremonie f\u00fcr ihn geben sollte, die Totenmesse: in dieser Zeremonie w\u00fcrde das Denken dann m\u00f6glich sein, und ich w\u00fcrde daran teilnehmen.\u201d<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich lese Ihnen nun ein paar Zeilen vor aus dem Briefwechsel von zwei mir sehr nahestehenden Tirolern\u00a0; eine nach Luxemburg ausgewanderte Ost-Tirolerin schreibt an einen mit ihr befreundeten Bergbauern in Ost-Tirol anl\u00e4sslich des Todes seiner Mutter\u00a0:<\/p>\n<p><em>\u00ab\u00a0Mein herzlichstes Beileid zum Tod Deiner Mutter, Schwiegermutter, Eurer Grossmutter.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich hoffe sehr, dass mich mein Gef\u00fchl nicht tr\u00fcgt, dass es sch\u00f6n war, sie bis zum Schluss bei Euch zu haben.<\/em><\/p>\n<p><em>Ich habe das daraus geschlossen, dass Ihr sie vom Hof zur Pfarrkirche gebracht habt, den Seelenrosenkranz bei Euch gebetet habt und sie so vielleicht die drei Tage bei Euch aufgebahrt hattet.<\/em><\/p>\n<p><em>So schwer es ist, Abschied zu nehmen, so sch\u00f6n ist es, wenn man es geb\u00fchrend machen kann.<\/em><\/p>\n<p><em>Obwohl ich nicht oft bei Euch bin und sie noch seltener getroffen habe, geh\u00f6rt ihr weisser Lockenkopf, wie auch das Bild Deines Vaters f\u00fcr mich untrennbar zu Eurem Hof.<\/em><\/p>\n<p><em>Kaum vorstellbar, dass Ihr da jetzt ganz alleine lebt.<\/em><\/p>\n<p><em>Danke f\u00fcrs an uns Denken.<\/em><\/p>\n<p><em>Habt Euch alle wohl. Ich w\u00fcnsche Euch die n\u00f6tige Ruhe, den Ver\u00e4nderungen und damit verbundenen Fragen, auch von Seiten der Kinder, Zeit und Raum zu geben.<\/em><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Und die Antwort des Bergbauern\u00a0:<br \/>\n<em>Hab ganz herzlichen Dank f\u00fcr Deine so einf\u00fchlsamen Zeilen, die uns tief ins Herz bewegten. Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzuf\u00fcgen, Du hast alles auf den Punkt gebracht. Wir vermissen Mutter sehr, auch wenn sie schon 90 Jahre alt war. Sie war schon so was \u00e4hnliches, wie das f\u00fcnfte Kind, alles haben wir zusammen gefeiert, die Kinder gingen nie zu Bett, ohne sie zu umarmen, das Zusammenleben war v\u00f6llig konfliktfrei, ja einfach wunderbar. F\u00fcr sie w\u00e4re es nicht auszuhalten gewesen, ein Pflegefall zu sein, daher hat sie sich entschlossen, sich das Bein nicht abnehmen zu lassen, lieber zu sterben, was sie dann auch in einer Woche durchgezogen hat.<\/em><\/p>\n<p><em><br \/>\nDas Begr\u00e4bnis war beeindruckend, das Aufbahren daheim, das Beten im Haus, mit vielen Menschen, die sich, trotz eisigen Wegverh\u00e4ltnissen, nicht scheuten, herauf zu gehen. Der lange Trauerzug angef\u00fchrt von einem Pferdefuhrwerk, das den Sarg zog. Leider ist diese Art abgekommen, wir konnten sie mit dem Begr\u00e4bnis von Vater vor vier Jahren etwas wiederbeleben, vielleicht war&#8217;s auch dieses Mal f\u00fcr die Einen oder Anderen von nachhaltiger Wirkung.\u00a0\u00bb<\/em><\/p>\n<p><em>\u00a0<\/em><\/p>\n<p>Dieses Gespr\u00e4ch klingt wie aus einer ganz anderen Zeit, die Achtsamkeit f\u00fcr Leben und Tod, f\u00fcr Grenzen und Rituale, f\u00fcr Erinnerung und Dank. Im Franz\u00f6sischen benennt das Verb \u00ab\u00a0reconna\u00eetre\u00a0\u00bb sowohl Erkennen, An-Erkennen als auch Danken\u00a0; das heisst im Erkennen und An-Erkennen liegen der Grund, die Haltung und die Handlung des Dankens zusammen. Bischof Egon Kapellari sprach vom Danken immer als von der h\u00f6chsten Form des Denkens.<br \/>\nRituale symbolisieren, gestalten und erm\u00f6glichen Wandlung und Ver\u00e4nderung. Fr\u00fcher -und immer seltener noch heutzutage- gestalteten Rituale den Umgang mit dem Sterben und mit dem Sterbenden, mit dem Tod und mit dem Toten, das \u00dcberschreiten der Todes-Schwelle selbst aber war ein h\u00f6chst pers\u00f6nlicher, nicht ritualisierter Akt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Im Euthanasie-Konzept ist es genau umgekehrt: hier wird das Sterben selbst in dreifach variiertem Angebot quasi rituell vollzogen: Im Akt des Sich-Selbst-T\u00f6tens, im Akt des unterst\u00fctzten Sich \u2013Selbst-T\u00f6tens und zuletzt im Akt des T\u00f6tens durch die Hand der \u00e4rztlichen und\/oder pflegerischen Vollstrecker als wirkm\u00e4chtiges Ritual der Verwandlung des Lebens in den Tod. Die Gestaltung der Rituale im Umgang mit dem Sterben und dem Sterbenden tritt hier in den Hintergrund.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Als ich 1979 als junger Medizinstudent in Graz den sp\u00e4teren Bischof von Gurk- Klagenfurt und noch sp\u00e4teren Bischof von Graz-Seckau, Dr Egon Kapellari, dem ich mich bis heute eng verbunden f\u00fchle, kennen lernte, erz\u00e4hlte er mir sehr bald von einem merkw\u00fcrdigen Kirchenfenster im Chor der Stadtpfarrkirche zum Hl. Blut in Graz. Es zeigte die Gei\u00dfelung Christi und rechts oben im Eck \u2013wo sonst?- Hitler und Mussolini, welche sich an der Folterung spottend beteiligten. Bischof Kapellari hat in dieser Darstellung eine allerletzte Verurteilung zur ewigen H\u00f6llenstrafe dieser beiden M\u00e4nner gesehen und er hat uns stets kritisch ermahnt, da\u00df dies kein christlicher Gedanke sei und da\u00df diese Verurteilung keinem Menschen zustehe, was auch immer diese Menschen an Grausamkeiten w\u00e4hrend ihres irdischen Lebens ver\u00fcbt haben. Er wollte damit die M\u00f6glichkeit einer allerletzten Entscheidung zur Umkehr oder zur Fortf\u00fchrung des eingeschlagenen Weges andeuten, nicht nur in einer letzten Reue vor dem Tod, sondern auch noch, in der Unergr\u00fcndlichkeit der g\u00f6ttlichen Liebe, auch noch nach dem Tod.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Bischof Kapellari stellte diese Frage in den gr\u00f6\u00dferen Zusammenhang von Freiheit und Verantwortung: \u201eKann aber ein Mensch wirklich so radikal Nein sagen, da\u00df er vom gr\u00f6\u00dferen Ja Gottes zu ihm nicht am Ende doch noch eingeholt wird? (&#8230;) Und seine Schlussfolgerung war: \u201e Man kann nicht sehen, wie ohne M\u00f6glichkeit, das endg\u00fcltige Ziel zu verfehlen, menschliche Freiheit und Verantwortung m\u00f6glich sind.\u201c<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Rituale begleiten uns durch unser ganzes Leben und sie markieren \u00f6fters wichtige Grenzen und Wendepunkte. Einen solches allerletztes Ritual am allerletzten Wendepunkt gibt es in der christlichen Tradition auch nach dem Tod und ich spreche hier von dem so oft geschm\u00e4hten und falsch verstandenen Begriff des Fegefeuers. Cicely Saunders sprach davon, dass das Konzept des christlichen Fegefeuers f\u00fcr sie den tr\u00f6stlichen Gedanken trage, auch als Fragment in den Tod gehen zu d\u00fcrfen, also auch ein <em>Wieder-Holungs-Ritual<\/em>, in dem wir ein letztes Mal unser Leben noch einmal in einem erneuerten Blick anschauen und uns dazu in einen wertenden, uns ein letztes Mal vervollkommnenden Bezug setzen d\u00fcrfen. Das sakramentale Ritual der Krankensalbung gilt in dieser Perspektive somit nur als vorletzte M\u00f6glichkeit der Vorbereitung auf den Umgang mit Krankheit, Sterben und Tod.<\/p>\n<p>Ein sch\u00f6nes Beispiel, wie Spiritualit\u00e4t und der Umgang mit den letzten Fragen auch ganz un-konfessionell von katholischen Priestern im Gespr\u00e4ch mit Menschen, die den Kirchen fernstehen, vorgelebt werden kann, erlebte ich 1982 in der Katholischen Hochschulgemeinde in Graz.<\/p>\n<p>Es war ein kleiner Kreis von Studenten, welche vom damaligen Hochschul-Seelsorger und jetzigen Bischof von Graz-Seckau, Dr. Egon Kapellari, zusammen mit Karl Rahner zum Abendessen eingeladen worden waren, so wie es seine Gewohnheit war, wenn Pater Rahner anl\u00e4sslich eines Vortrags bei uns in der Hochschulgemeinde zu Gast war.<\/p>\n<p>Dr. Kapellari war immer besorgt, ob wir Studenten diese \u00ab historischen \u00bb Augenblicke wohl richtig zu sch\u00e4tzen und w\u00fcrdigen w\u00fcssten und er pflegte dies am intellektuellen bzw spirituellen Niveau der Fragen zu beurteilen, welche von uns an den hohen Gast gestellt wurden. An jenem Abend war es also Hans-Albrecht Christern, mein Vorg\u00e4nger im Amt des Primus der katholischen Hochschuljugend Graz und begeisterter Fussballspieler, welcher den Hochschulseelsorger, nicht aber Pater Rahner, mit der Frage schockierte: \u201eK\u00f6nnen wir im Himmel noch Fu\u00dfball spielen ?\u201c Und Karl Rahner hat, neben einem erblassten Dr. Kapellari, geschmunzelt und so lieb und bescheiden gesagt, wie er immer war : \u201cWenn Sie dann noch Lust dazu haben, sicherlich.\u201c<\/p>\n<p>Wir waren alle beeindruckt von der Weisheit des eben Geh\u00f6rten und ich habe mir diesen Satz sofort in mein Tagebuch notiert . Karl Rahner hat uns dann verlassen, Dr. Kapellari ist zum Bischof von Gurk-Klagenfurt ernannt worden und ich habe eineinhalb Jahre sp\u00e4ter als zust\u00e4ndiger Redakteur unserer Zeitschrift \u00ab Denken&amp;Glauben \u00bb diesen Satz, welcher f\u00fcr mich bis heute f\u00fcr mein Verst\u00e4ndnis von \u00abHimmel \u00bb zentral ist, als Titel unserer Erinnerungsausgabe an Karl Rahner ausgew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Dritter Gedankenraum:<\/strong><\/p>\n<p><strong>Achtsamkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Askese des Raums<\/strong><\/p>\n<p><strong>Askese der Zeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>Langsamkeit<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ludwig Wittgenstein hat gesagt\u00a0: \u00ab\u00a0Der Gruss unter Philosophen sollte sein: \u00ab\u00a0La\u00df dir Zeit\u00bb und Marguerite Yourcenar zitiert in den \u00ab\u00a0Erinnerungen Kaiser Hadrians\u00a0\u00bb dessen Bemerkung im Abschiedsbrief an Marc Aurel\u00a0:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cCette plaignante avait raison, que je refusais un jour d &#8216; \u00e9couter jusqu&#8217; au bout, et qui s&#8217; \u00e9cria que si le temps me manquais pour l &#8216; entendre, le temps me manquait pour r\u00e9gner.\u201d<\/p>\n<p>(\u201cJene Kl\u00e4gerin, der ich vor langer Zeit nicht mehr bis zum Schluss zuh\u00f6ren wollte , hatte recht, als sie mir daraufhin in einem emp\u00f6rten Aufschrei entgegnete, da\u00df, wenn ich mir nicht die Zeit nehmen k\u00f6nne, sie zu Ende anzuh\u00f6ren, mir auch die Zeit fehlen w\u00fcrde, um zu herrschen.\u201d)<\/p>\n<p>Erhard Weiher stellt an den Anfang seines Buches \u00fcber die Grammatik der Spiritualit\u00e4t flogende chassidische Erz\u00e4hlung\u00a0:<\/p>\n<p>&#8220;Ein junger Mann kommt zu einem Rabbi und fragt: \u201cWas kann ich tun, um die Welt zu retten?\u201d Der Rabbi antwortet: \u201cSoviel wie du tun kannst, dass morgens die Sonne aufgeht.\u201d \u201cAber was sollen dann alle meine alle meine Gebete und meine guten Werke?\u201d fragt der junge Mann. Darauf der Rabbi: \u201cSie helfen dir wach zu sein, wenn die Sonne aufgeht.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich habe hier, als ich mich auf die diesj\u00e4hrigen Gespr\u00e4che in Meran vorbereitet habe, auch an den Spruch gedacht, den ich vor Jahren als Teilnehmer eines grossen schlafmedizinischen Kongresses in Regenburg gelesen hatte\u00a0: \u00ab\u00a0Diese Stadt war schon wach, als New York noch eine Wiese war\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>1980, ich hatte gerade mein Medizinstudium in Graz begonnen, nahm ich als Zuh\u00f6rer erstmalig am Ingeborg -Bachmann-Preis in Klagenfurt teil und h\u00f6rte im Rahmen dieses Lesemarathons zum ersten Mal den Text, mit dem der vor mir sitzende junge deutsche Schriftsteller Sten Nadolny den Preis gewinnen sollte: \u201cKopenhagen 1801\u201d, einen Auszug aus seinem sp\u00e4ter ber\u00fchmten Entwicklungsroman \u201cDie Entdeckung der Langsamkeit\u201d, in dem er die Biographie des englischen Seefahrers und Nordpolforschers John Frankling so umschreibt, dass dieser Lebenslauf zu einer subtilen Studie \u00fcber die Zeit wird und die Langsamkeit zu der Kunst, dem Rhythmus des Lebens Sinn zu verleihen bzw den Sinn des Lebens anders zu ersp\u00fcren: aus der Perspektive der Langsamkeit ver\u00e4ndert sich die Welt.<\/p>\n<p>\u201cGrabsteine konnten auch sehen. Sie nahmen Bewegungen wahr, die f\u00fcr menschliche Augen zu allm\u00e4hlich waren: den Tanz der Wolken bei Windstille, das Herumschwenken des Turmschattens von West nach Ost, die Kopfbewegungen der Blumen nach der Sonne hin, sogar den Graswuchs.\u201d (SP, 1987, S.12<\/p>\n<p>Und er l\u00e4sst John Frankling sagen : \u201dIch nehme mir Zeit, bevor ich einen Fehler mache\u201d (SP, 1987, S.199) und, etwas sp\u00e4ter in einem Gespr\u00e4ch mit seiner kleinen Tochter, welche ihn gefragt hatte, woran man denn erkenne, ob jemand ein B\u00f6sewicht sei: \u201c EIn B\u00f6sewicht\u201d, sagte John,\u201d kennt seine richtige Geschwindigkeit nicht. Er ist bei den falschen Gelegenheiten zu langsam und bei den anderen zu schnell, wo es auch verkehrt ist.\u201d(\u2026) Er tut zu langsam das, was andere von ihm wollen, zum Beispiel gehorchen oder helfen. Aber er versucht viel zu schnell das zu kriegen, was er von anderen will (\u2026) (SP, 1987, S.307<strong>)<\/strong><\/p>\n<p>In der Diaspora-Situation der christlichen Hochschulseelsorge in Wien zitiert die Journalistin des Wiener Standard vor kurzem den Wiener Studentenseelsorger Helmut Sch\u00fcller mit dem Satz, dass sein wichtigstes Arbeitsinstrument daraus bestehe, in langsamem Schritt \u00fcber den Campus zu gehen.<\/p>\n<p>\u201cIch brauche keine Einf\u00e4lle: was mir einfallen muss, sind allein die richtigen Verkn\u00fcpfungen\u201d, schreibt Handke in der Geschichte des Bleistifts und Bert Brecht, den ich hier als v\u00f6llig unverd\u00e4chtigen Zeugen anf\u00fchren m\u00f6chte, schreibt \u2013wohl ironisch- in seinem 1. Psalm: \u201cDer warme Wind k\u00fcmmert sich noch um die Zusammenh\u00e4nge, der Katholik.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>W\u00fcrde Jesus heute Zeitung lesen statt zu beten? In der Furche vom 5.4.2012 erinnerte uns Rudolf Mitl\u00f6hner in seinem Leitartikel an diese provokante Frage \u00a0der evangelischen Theologin Dorothee S\u00f6lle (1929\u20132003) vor bald f\u00fcnfzig Jahren. Gebet sei \u2013 wie Zeitung lesen\u2013 so etwas wie eine Vergewisserung \u00fcber den Gesamtzusammenhang, schrieb S\u00f6lle. Sie meinte damit wohl, so interpretierte es Mitl\u00f6hner, ein Sich-Sammeln und \u2013\u00d6ffnen f\u00fcr das Ganze der Wirklichkeit.<\/p>\n<p>Dorothee S\u00f6lle spricht in ihrem Buch \u201eDen Rhythmus des Lebens sp\u00fcren\u201c von der religi\u00f6sen Grunderfahrung, dass die Rituale des Tischgebets und des Segnens daran erinnern, dass die Nahrung geschenkt ist und dass dies ein Symbol daf\u00fcr sei, dass das Leben geschenkt und nicht selbstverst\u00e4ndlich ist.<\/p>\n<p>Zitat: \u201eUnd das zu vergessen, das zerst\u00f6rt das Leben. In diesem Sinn areligi\u00f6s zu sein \u2013 und das ist die Mehrzahl der Menschen in unser Kultur \u2013 ist katastrophal. Das ist nicht, dass ihnen nur eine Dimension fehlt, sondern ihnen fehlt die Ehrfurcht vor dem Leben, ein Verst\u00e4ndnis von der Bedrohtheit des Lebens, ein Verst\u00e4ndnis \u2013 um ein sehr grosses Wort zu gebrauchen \u2013 von der Heiligkeit des Lebens. Und ich glaube nicht, dass man wirklich menschlich leben kann, ohne etwas davon zu wissen.\u201c<\/p>\n<p>David Steindl-Rast, Benediktiner und Zen-Meister, welcher sein Leben dem Dialog zwischen buddhistischen und christlichen Achtsamkeitstraditionen gewidmet hat, beschreibt in seinem Buch \u201cDie Achtsamkeit des Herzens\u201d zwei grundlegende Askesen( \u00dcbungen) :<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>\u201cDie <strong>Askese des Raumes <\/strong>fordert die Losl\u00f6sung in Bezug auf den Ort, wo immer wir auch seien. Ihr Ziel ist es, da wirklich gegenw\u00e4rtig zu sein, wo wir gerade sind.(\u2026) Gegenw\u00e4rtig zu sein, bedeutet, zur Wirklichkeit des Ortes aufzuwachen. Wie Moses vor dem brennenden Dornbusch.\u201d Ziehe deine Schuhe aus! Du stehst auf heiligem Boden.\u201d Die Schuhe ausziehen \u2013 das ist die Askese des Raumes.(\u2026) Dieses Tote abzustreifen bedeutet, Gewohnheit abzustreifen (\u2026) Zuerst ist dies ein ganz besonderer Ort, der heilige Bezirk, den wir barfuss betreten. Aber dann kommt der n\u00e4chste entscheidende Schritt:<br \/>\nWir erkennen, dass wir auf heiligem Boden stehen, wo immer wir die Schuhe ausziehen. \u201cRundum in jeder Richtung, soweit Raum reicht, reicht das Heiligtum\u201d.Jeder Ort ist heiliger Boden, denn jeder Ort kann St\u00e4tte der Begegnung werden, der Begegnung mit g\u00f6ttlicher Gegenwart.\u201d<\/p>\n<p>(\u2026)<\/p>\n<p>Die <strong>Askese der Zeit <\/strong>spricht davon, da\u00df zum Hier, zum heiligen Ort, das Jetzt geh\u00f6re, der heilige Augenblick; \u201ckairos\u201d (griechisch: Zeit), die rechte Zeit. (\u2026)<br \/>\nIn Wirklichkeit gehe es darum, dass in einem Kloster Dinge nicht getan werden, wenn einem gerade danach zumute ist, sondern wenn es daf\u00fcr Zeit ist. Nach der Regel des Heiligen Benedikt werde von einem M\u00f6nch erwartet, dass er die Feder aus der Hand legt im Augenblick, wo die Glocke l\u00e4utet, und nicht einmal mehr einen Querstrich aufs t oder ein P\u00fcnktchen aufs i setzt. Das ist Askese der Zeit.(\u2026) Die Glocken im Kloster sollen uns daran erinnern, dass es Zeit ist, wenn wir sie l\u00e4uten h\u00f6ren \u2013 \u201cnicht unsere Zeit\u201d. (\u2026) Von alters her geheiligte Orte wollen Pilger nur daran erinnern, dass auch jeder andere Ort heilig ist.(\u2026)<br \/>\nIm Exil sein, verbannt vom heiligen Land, heisst vergessen zu haben, dass wir auf heiligem Boden stehen.(\u2026) Der Name unseres Exils ist nicht Babylon oder \u00c4gypten, sondern Gew\u00f6hnung.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Bischof Kapellari erinnerte vor kurzem in seinem Festvortrag \u201eVerwandlung und Bergung der Dinge in Gefahr\u201c beim interdisziplin\u00e4ren Peter Handke Symposium \u201eVerwandeln allein durch Erz\u00e4hlen\u201c an der Universit\u00e4t Wien daran, dass die Frage, was Kunst kann, soll oder darf, leise oder auch deutlicher das k\u00fcnstlerische Schaffen jeder Epoche im Ganzen begleitet. \u201eBert Brecht, der eminente und dabei zuweilen schwer ertr\u00e4gliche Moralist, hat in einem bekannten, sirenenhaft sch\u00f6nen F\u00fcnf-Zeilen-Text moniert, dass Sch\u00f6nheit und G\u00fcte verbunden bleiben. Und er hat auch den Verlust an Humanit\u00e4t benannt f\u00fcr den Fall, dass beide auf Dauer auseinanderfallen. Dieser F\u00fcnfzeiler aus dem St\u00fcck \u201eDer kaukasische Kreidekreis\u201c lautet:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wisse, Frau, wer einen Hilferuf nicht h\u00f6rt,<\/p>\n<p>sondern vorbeigeht, verst\u00f6rten Ohrs; nie mehr<\/p>\n<p>Wird der h\u00f6ren den leisen Ruf der Liebsten, noch<\/p>\n<p>Im Morgengrauen die Amsel oder den wohligen<\/p>\n<p>Seufzer der ersch\u00f6pften Weinpfl\u00fccker beim Angelus.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Diese Beziehungen zwischen Sakrament und Ritual vor dem Hintergrund einer m\u00f6glichen Definition von Kunst erinnert mich an die Anekdote , wo der Musiktheoretiker Heinz-Klaus Metzger den Komponisten John Cage 1966 nach dem Besuch eines Probenkonzerts vor dem Betreten eines Restaurants auf den Champs-Elys\u00e9es fragte, worin der Unterschied zwischen gew\u00f6hnlichem T\u00fcr\u00f6ffnen und dem T\u00fcr\u00f6ffnen als k\u00fcnstlerischer Aktion bestehe: dieser soll ihm geantwortet haben: \u201eIf you celebrate it, it\u2019s art: if you don\u2019t, it isn\u2019t.\u201c<\/p>\n<p>Heute ist dieser Satz unter anderem an der Eingangst\u00fcr zur Kapelle der Katholischen Hochschulgemeinde in Graz angebracht und verweist durch diese Neu-Definition der Schwelle an eine verwandelnde Schwellenhandlung, wie sie Rituale und Sakramente kennzeichnen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das , was ich Ihnen in dieser kurzen Zeit erz\u00e4hlen kann, ist weniger ein akademischer Vortrag, sondern vielmehr eine Sammlung von Gedanken, die mir zu obigem Thema aufgefallen sind und die ich mit Ihnen teilen m\u00f6chte: Eine Gedanken-Collage, welche einen Gedankenraum er\u00f6ffnet, den sie mit mir gemeinsam betreten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p>In dem vergangenen Jahr, wo ich durch den Auftrag zu diesem Vortrag doch aufmerksamer gelebt habe als sonst, wurden mir viele dieser Gedanken wie Schl\u00fcssel zu fremden S\u00e4len im eigenen Schloss, wie Kafka es in Bezug auf B\u00fccher schrieb.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es war vor dreissig Jahren in Graz, wo ich zum ersten Mal vom bergsteigenden Domvikar den (von ihm eigentlich die deutschen Touristen meinenden) nicht nur f\u00fcr die Erschliessung der Bergwelt gemeinten Spruch h\u00f6rte: \u201cWir m\u00fcssen langsamer gehen, denn wir haben es n\u00e4mlich eilig.\u201d Von Madame de Maintenon, Geliebte und sp\u00e4tere geheime Ehefrau Ludwigs XIV., ist aus einem Brief an ihre Tochter der sch\u00f6ne Satz \u00fcberliefert: \u201cIch schreibe dir heute einen langen Brief, da ich f\u00fcr einen kurzen keine Zeit habe.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Es sollte eines meiner Lebensthemen werden. \u201cVersteh mich bitte nicht zu schnell\u201d, pflegte der damalige Hochschulseelsorger und sp\u00e4tere Bischof von Graz-Seckau Egon Kapellari mich in vielen Gespr\u00e4chen zu ermahnen und er erw\u00e4hnte in seinen F\u00fcrbitten \u00f6fters das \u201cUnsagbare und doch Notwendige\u201d, dessen wir zum Heil und zum Heilen in der Welt bedurften.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich denke hier besonders an den diesem Symposium vorangestellten Leitspruch von Martin Georg Reisenberg, der f\u00fcr mich fast wie eine zu einem Gebet gewordenen Bitte klingt\u00a0: \u00ab\u00a0 Nicht nur wir sollten die Haltung, sondern die Haltung k\u00f6nnte auch uns bewahren.\u00bb Wobei der Unterschied zwischen einer Bitte und einem Gebet in der gr\u00f6sseren Aufmerksamkeit dem Ganzen der Welt gegen\u00fcber besteht.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>Ich fuhr letzthin in meiner kleinen Heimatstadt auf einer zweispurigen Strasse einem Zebrastreifen entgegen und sah schon von weitem, dass dort ein ganz alter Mann mit seinem Rollator versuchte, vom Kopfsteinpflaster auf die Strasse zu gelangen. Er wankte und es war wie ein Kampf gegen die Schwerkraft in Zeitlupe . Ich blieb dann in einiger Entfernung vom Zebrastreifen stehen und wachte im R\u00fcckspiegel, ob nicht ein anderes Auto auf der Nebenspur mich \u00fcberholen und den alten Mann \u00fcbersehen k\u00f6nnte. Mir war ganz seltsam zumute, als ich diesem ungleichen Kampf zusah und ich hatte seltsamerweise sofort das Gef\u00fchl , in Gegenwart von etwas Gro\u00dfem und Heiligen zu sein. Es dauerte sehr lange bis der alte Mann die gar nicht so breite Strasse \u00fcberquert hatte und auf der anderen Seite angekommen schaffte er es fast nicht, seinen Rollator \u00fcber das Kopfsteinpflaster zu erheben.<\/p>\n<p>Meine Strassenseite war schon lange frei und doch blieb ich stehen und ich hatte das Gef\u00fchl, dass nichts anderes als v\u00f6lliger Stillstand auf dieser Stra\u00dfe erlaubt war, solange das Ereignis dieser Gebrechlichkeit anhielt. Ich habe dann daran gedacht, wie ein gute Freundin mir vor kurzem erz\u00e4hlt hatte, dass sie vor vielen Jahren bei der F\u00fchrerscheinpr\u00fcfung durchgefallen war, weil sie am Zebrastreifen nicht abgewartet hatte, bis der Fu\u00dfg\u00e4nger auf der anderen Strassenseite wieder beide F\u00fc\u00dfe am Gehsteig hatte. Und in diesem Augenblick dachte ich daran, dass das richtig gewesen war\u2026<\/p>\n<p>Zwei Tage sp\u00e4ter fuhr ich wieder in meiner Heimatstadt in der N\u00e4he der alten Nervenheilanstalt und sah von weitem, wie zwei junge Menschen, ein Mann und eine Frau, vom Benehmen her wie ein Liebespaar, beide offensichtlich mit schweren neuologisch-psychiatrischen Defektsyndromen, sich anmutig t\u00e4nzelnd hintereinander, v\u00f6llig abwesend und ganz auf sich und ihre Zweisamkeit bezogen und ohne auf den Verkehr zu achten, sich wie in Zeitlupe dem Zebrastreifen n\u00e4herten\u2026es kam mir vor wie eine Szene aus einem alten Schwarzweiss-Film. Ich blieb wiederum in weiter Entfernung vor dem Zebrastreifen stehen und hatte das Gef\u00fchl, ich m\u00fcsste f\u00fcr diesen einen Augenblick der Ewigkeit den Motor ausschalten. Mir kamen bei diesem Anblick auf einmal Tr\u00e4nen in die Augen und ich dachte wieder an einen heiligen Raum, der sich durch diese beiden Leben vor mir er\u00f6ffnet hatte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich dachte auch an den Satz von Christine Lavant\u00a0: \u201eKunst wie meine ist nur verst\u00fcmmeltes Leben, eine S\u00fcnde wider den Geist, unverzeihbar. Das Leben ist so heilig, vielleicht wissen Gesunde das nicht. Ich wei\u00df es ganz.\u201c (Brief an Gerhard Deesen aus dem Jahr 1962 ) Peter Handke sagte in einem \u00e4hnlichen Sinnzusammenhang: \u201cEr wollte die Kraft eines Gesunden und die W\u00fcrde (und Vorsicht) eines Kranken.\u201d (Die Geschichte des Bleistifts, SV, 1985, S. 186)<\/p>\n<p>Etty Hillesum (1914-1943) schreibt am 2. Oktober 1943, kurz vor ihrem Tod Im KZ Auschwitz-Birkenau: \u201eWenn ich nachts auf meiner Pritsche lag (in Westerbork, Sammellager f\u00fcr Juden vor ihrem Abtransport) mitten zwischen leise schnarchenden, laut tr\u00e4umenden, still vor sich hin weinenden und sich w\u00e4lzenden Frauen und M\u00e4dchen, die tags\u00fcber so oft sagten: \u201aWir wollen nicht denken\u2019, wir wollen nichts f\u00fchlen, sonst werden wir verr\u00fcckt\u2019, dann war ich oft unendlich bewegt, ich lag wach und liess die Ereignisse, die viel zu vielen Eindr\u00fccke eines viel zu langen Tages im Geiste an mir vorbeiziehen und dachte: Lass mich dann das denkende Herz dieser Baracke sein.\u201c<\/p>\n<p>In den von seinem Freund Eberhard Bethge unter dem Titel \u201eWiderstand und Ergebung\u201c ver\u00f6ffentlichten Briefen aus dem Gestapo-Gef\u00e4ngnis schreibt Dietrich Bonhoeffer kurz vor seiner Hinrichtung: (414)<\/p>\n<p>Unser Verh\u00e4ltnis zu Gott ist kein \u201ereligi\u00f6ses\u201c zu einem denkbar h\u00f6chsten, m\u00e4chtigsten, besten Wesen \u2013 dies ist keine echte Transzendenz-, sondern unser Verh\u00e4ltnis zu Gott ist ein neues Leben im \u201eDasein-f\u00fcr-andere\u201c, in der Teilnahme am Sein Jesu. Nicht die unendlichen unerreichbaren Aufgaben, sondern <strong>der<\/strong> <strong>jeweils gegebene erreichbare N\u00e4chste ist das Transzendente<\/strong>. Gott in Menschengestalt!<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Dorothee S\u00f6lle sagt in einem ihrer Texte: \u201eWas f\u00fcr alle Religionen gilt, dass Transzendenz verwundbar macht, das ist im Christentum auf die Spitze getrieben: Gott macht sich in Christus verwundbar&#8230;Darum brauchen eir ein Fenster der Verwundbarkeit, wenn wir in einer inneren Beziehung zu Christus leben wollen.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Peter Handke bekennt in der \u201eGeschichte des Bleistifts\u201c: \u201cIch bin manchmal ein religi\u00f6ser Mensch, weil ich das Bed\u00fcrfnis habe, dankbar zu sein, und nicht weiss, wem.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>In einem 1987 in der Herder Korrespondenz ver\u00f6ffentlichten Interview sagt der aus der DDR gefl\u00fcchtete Dichter Reiner Kunze, den ich auch in der Grazer Katholischen Hochschulgemeinde kennenlernen durfte:<\/p>\n<p>\u201eIch achte den Glauben anderer, mir selbst aber ist Gotteserfahrung bis heute nicht zuteil geworden. Sollten sie allerdings darin, dass ich f\u00fcr jedes Erwachen dankbar bin, auch wenn ich nicht weiss, wem, ein religi\u00f6ses Empfinden erblicken, so habe ich nicht dagegen einzuwenden.<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Hierzu sein fr\u00fches Gedicht \u201ePfarrhaus\u201c aus dem Gedichtband \u201eZimmerlautst\u00e4rke\u201c (1972), in dem er seine Erfahrungen als agnostischer, vom damaligen DDR-Regime gnadenlos verfolgter und in einem Th\u00fcringer Pfarrhaus vesrsteckter Schriftsteller zusammenfasst:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>PFARRHAUS<br \/>\n<\/strong><br \/>\n<em>Fu\u0308r pfarrer W.<br \/>\nWer da bedr\u00e4ngt ist findet<br \/>\nmauern, ein<br \/>\ndach und<\/em><\/p>\n<p>muss nicht beten<\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p><strong>\u00a0<\/strong><\/p>\n<p>In Geoffrey Giulianos\u2019s Buch \u201cLennon in America\u201d (2000) zitiert er John Lennon mit den Worten: \u201c\u2019 Imagine there\u2019s no heaven\u2019 ist ein anti-religi\u00f6ses, anti-nationalistisches, anti-konventionelles, anti-kapitalistisches Lied, aber da es mit Zuckergu\u00df \u00fcberzogen ist, wird es nicht beanstandet.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Imagine there&#8217;s no heaven<br \/>\nIt&#8217;s easy if you try<br \/>\nNo hell below us<br \/>\nAbove us only sky<br \/>\nImagine all the people<br \/>\nLiving for today&#8230;<\/p>\n<p>Imagine there&#8217;s no countries<br \/>\nIt isn&#8217;t hard to do<br \/>\nNothing to kill or die for<br \/>\nAnd no religion too<br \/>\nImagine all the people<br \/>\nLiving life in peace&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>John Lennon (1971)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Wie anders und mir viel n\u00e4her klingen dieses S\u00e4tze, welche Reiner Kunze viele Jahre sp\u00e4ter zu diesem Thema in seinem Gedichtband \u201cLindennacht\u201d (2007) schrieb:<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>DACHFENSTER BEI STERNKLARER NACHT<\/p>\n<p>Nochmals f\u00fcr E.<\/p>\n<p>Wie verloren wir liegen<\/p>\n<p>Doch lieber ungeborgen,<br \/>\nals \u00fcber uns<br \/>\nein ebenbild des menschen<br \/>\nMarguerite Yourcenar, die grosse frankophile , als Belgierin geborene Schriftstellerin, Sch\u00f6pferin der fiktiven Autobiographie von Kaiser Hadrian, starb als Amerikanerin und zeigt schon in ihrer Biographie, dass Grenz\u00fcberschreitungen sch\u00f6pferisch wirksam werden k\u00f6nnen. Sie fand eines Tages in den Briefen von Flaubert den folgenden Satz, der sie tief pr\u00e4gte\u00a0:<\/p>\n<p>\u00ab\u00a0Les dieux n\u2019 \u00e9tant plus, et le Christ n\u2019 \u00e9tant pas encore, il y a eu, de Cic\u00e9ron \u00e0 Marc Aur\u00e8le, un moment unique o\u00f9 l\u2019 homme seul a \u00e9t\u00e9.\u00a0\u00bb<\/p>\n<p>(\u00ab\u00a0Zwischen Cicero und Marc Aurel , in einer Zeit, als es die G\u00f6tter nicht mehr und Christus noch nicht gab, war da ein einzigartiger Augenblick, in dem der Mensch als Mensch ganz allein war.\u00a0\u00bb)<\/p>\n<p>Und die Sch\u00f6pferin der Erinnerungen Hadrians fuhr fort\u00a0: \u00ab\u00a0Einen grossen Teil meines Lebens sollte ich mit dem Versuch zubringen, diesen einerseits von allem losgel\u00f6sten und andererseits doch mit allem verbundenen Menschen zu bestimmen und dann zu beschreiben.\u00a0\u00bb<br \/>\nEs geht nicht um religi\u00f6se oder nicht religi\u00f6se Menschen; es gibt spirituelle Atheisten, Juden, Christen und Moslems, um nur diese vier zu nennen. Gefahr geht aus von den Fundamentalisten aller Gattungen, ob atheistisch, antitheistisch oder religi\u00f6s,weil diese nicht achtsamen Herzens und Geistes sind und deswegen leider auch nicht spirituell sein k\u00f6nnen und nicht sein wollen.Die L\u00fcge ist die Luft des Fundamentalismus, um Leszek Kolakowski zu paraphrasieren, und ohne sie stirbt er&#8230;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Matthias Drobinsi schreibt in seinem Artikel zu Ostern 2014 in der S\u00fcddeutschen Zeitung\u00a0:<\/p>\n<p>\u201eEs funktionieren im Politischen wie auch h\u00e4ufig im Privaten die Rituale von Reue und Vergebung nicht mehr, von Bekenntnis, Bu\u00dfe und Neuanfang. Sie funktionieren nicht, weil an die Stelle des S\u00fcnders, der sich seiner Macht und seines Stolzes entledigt, der Leugner und Verdr\u00e4nger getreten ist. (&#8230;)<\/p>\n<p>K\u00f6nig Heinrich IV. hatte es da noch einfach. \u201eBarfu\u00df und n\u00fcchtern, vom Morgen bis zum Abend\u201c stand er da vor Canossa, drei Tage lang, ehe am 28. Januar 1077 Papst Gregor VII. den Bann gegen ihn aufhob. Es mag dahingestellt bleiben, ob nun beim K\u00f6nig sich echte Reue eingestellt hatte, als er ins kratzende Gewand schl\u00fcpfte und im Papst echte Vergebung wuchs, als er den B\u00fc\u00dfer so elend dort stehen sah \u2013 das Ritual war auch ein politischer Kompromiss, detailliert ausgearbeitet von den Unterh\u00e4ndlern beider Seiten. Aber es funktionierte: Es gab den Bu\u00dfakt, die Reue, das Leben ging weiter.\u201c<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Kardinal Carlo Maria Martini beschreibt in seinem Buch \u201cJerusalemer Nachtgespr\u00e4che\u201d (2008) auch , wie er in Mailand die Cattedra, den \u201eLehrstuhl der Ungl\u00e4ubigen\u201c , eingerichtet hatte, um von ihnen zu h\u00f6ren, was sie zur Rettung der Welt beitragen und den Menschen zu sagen haben. \u201eIch m\u00f6chte denkende Menschen. Das ist das Wichtigste. Dann komm erst die Frage, ob sie Gl\u00e4ubige sind oder Nichtgl\u00e4ubige. Wer nachdenkt, wird weitergef\u00fchrt. Darauf vertraue ich. \u201e<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>An der philosophischen Fakult\u00e4t der Universit\u00e4t Koblenz, an der ich im November 2012 zu einem Vortrag im Rahmen eines Symposiums zum Thema \u201cNeuro-Ethik und Menschenbild\u201d eingeladen worden war, las ich an der T\u00fcr des Institusvorstandes den sch\u00f6nen Satz:<\/p>\n<p>\u201cWer nicht denken will, fliegt raus.\u201d<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Zum Abschluss lese ich Ihnen noch ein Gedicht der grossen \u00f6sterreichischen Dichterin Christine Lavant vor, welche ihre in der Sprachkraft an H\u00f6lderlin und Rilke erinnernden Gedichte trotz oder wegen ihrer schweren psychischen Erkrankung (in den Benelux-L\u00e4ndern w\u00fcrde sie alle Kriterien des unertr\u00e4glichen Leidens der Euthanasie-Gesetze erf\u00fcllen) sich und den Lesern ins Ged\u00e4chtnis schrieb; sie bezahlte ihren langj\u00e4hrigen Nervenarzt und Vertrauten \u00fcbrigens mit Gedichten.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das war mein Leben, Gott, vergiss das nicht!<\/p>\n<p>Ich werde niemals wieder eines haben \u2013<\/p>\n<p>Du kannst\u2019s verz\u00f6gern, dass sie mich begraben<\/p>\n<p>Und dass mein Herz an diesem Kummer bricht;<\/p>\n<p>Doch seither bin und bleib ich eine Leiche.<\/p>\n<p>Sag nicht, so viele h\u00e4tten schon das gleiche<\/p>\n<p>Mit deiner Hilfe herrlich \u00fcberstanden<\/p>\n<p>Und w\u00e4ren fromm und Heilige geworden.<\/p>\n<p>Mein Leichnam tobt und will sich noch ermorden<\/p>\n<p>Und die dazu, die dich als Trost erfanden,<\/p>\n<p>Dort, wo du niemals wirklich wirksam bist.<\/p>\n<p>An meinen Nerven zehrt ein Wolf und frisst \u2013<\/p>\n<p>Bist das auch du? Und w\u00fchlt denn deine Hand<\/p>\n<p>In meinem H\u00e4uflein glimmernden Verstands<\/p>\n<p>So grob herum und halt mich \u00fcberwach,<\/p>\n<p>wenn alle schlafen? \u2013 Gott, sag das nicht nach,<\/p>\n<p>Sag keins der lauen Worte deiner Frommen!<\/p>\n<p>Ich will ja nicht in ihren Himmel kommen!<\/p>\n<p>Nur einmal noch \u2013 bevor sie mich begraben \u2013<\/p>\n<p>Lass mich im Traum ein F\u00fcnklein Liebe haben.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Christine Lavant<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><strong>Literatur:<\/strong><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><sub>Martin Baltscheit, Der Wahlkampf der Tiere, Bajazzo, 2005<\/sub><\/p>\n<p><sub>Dietrich Bonhoeffer, Widerstand und Ergebung, Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, Hg. Eberhard Bethke, G\u00fctersloh, 2005<\/sub><\/p>\n<p><sub>Martin Buber, Die Erz\u00e4hlungen der Chassidim, Manesse, Z\u00fcrich 1949<\/sub><\/p>\n<p><sub>Paul Daselaers, F\u00fcr wen gehst Du?, Worte zum Tage, Katholische H\u00f6rfunkarbeit, 10. Juli 2010<\/sub><\/p>\n<p><sub>Matthias Drobinski, \u201eMade in Germany\u201c, S\u00fcddeutsche Zeitung, 21.\/22.April 2014<\/sub><\/p>\n<p><sub>Antoine de Saint-Exup\u00e9ry, Der Kleine Prinz, Karl Rauch, 2000<\/sub><\/p>\n<p>Wolfgang George, Sterben in station\u00e4ren Pflegeeinrichtungen, TransMIT-Studie, 2013<\/p>\n<p>Geoffrey Giuliano, Lennon in America, Cooper Square Press, 2000<\/p>\n<p>Peter Handke im Gespr\u00e4ch, Edition Kleine Zeitung, 2012<\/p>\n<p>Peter Handke, Die Geschichte des Bleistifts, Suhrkamp, 1985<\/p>\n<p>Etty Hillesum, Das denkende Herz, rororo, 1985<\/p>\n<p>Franz Kafka, in: Jean Leyder, \u201eIch lebe, um zu leben, sagt das Leben\u201c, Publications nationales, Luxembourg, 2004<\/p>\n<p>Egon Kapellari, \u201eVerwandlung und Bergung der Dinge in Gefahr\u201c, in: &#8220;Verwandeln allein durch Erz\u00e4hlen&#8221;: Peter Handke im Spannungsfeld von Theologie und Literaturwissenschaft, (Hg. T\u00fcck\/Bieringer), Herder 2014<\/p>\n<p>Egon Kapellari, Zeichen wahrnehmen und deuten, Interview, Die Tagespost, 22. Dezember 2012<\/p>\n<p>Reiner Kunze, Zimmerlautst\u00e4rke, Gedichte, Fischer, 1972,<\/p>\n<p>Reiner Kunze, Lindennacht, Gedichte, Fischer, 2007<\/p>\n<p>Reiner Kunze, in: Jean Leyder, \u201eIch lebe, um zu leben, sagt das Leben\u201c, Publications nationales, Luxembourg, (2004)<\/p>\n<p>Christine Lavant, Die Bettlerschale, Gedichte, Otto M\u00fcller, 1983<\/p>\n<p>Dominique Lossignol, Euthanasie et techniques palliatives en fin de vie, Le Journal du r\u00e9seau cancer de l\u2019Universit\u00e9 Libre de Bruxelles, num\u00e9ro 8, 200788<\/p>\n<p>Carlo Maria Martini, Jerusalemer Nachtgespr\u00e4che: \u00dcber das Risiko des Glaubens, Herder 2008<\/p>\n<p>Edmund Muhrer, Editorial zur Ausgabe \u201cRituale\u201d, Denken + Glauben, Zeitschrift der Katholischen Hochschulgemeinde Graz, 113\/Juni 2001<\/p>\n<p>Sten Nadolny, Die Entdeckung der Langsamkeit, Piper, 1983<\/p>\n<p>Andrea Roedig, KHG-Wien, Die Seele und ihr Zweck, Der Standard, 22. M\u00e4rz 2014<\/p>\n<p>Cicely Saunders, Sterben und Leben: Spiritualit\u00e4t in der Palliative Care, TVZ, 2009<\/p>\n<p>Dorothee S\u00f6lle, in: Rainer Bucher, Das Fenster der Verwundbarkeit, Furche Nr 26, 2013<\/p>\n<p>Dorothee S\u00f6lle, in: Rudolf Mitl\u00f6hner, Das Richtige im Falschen, Die Furche Nr.14, 5. April 2012<\/p>\n<p>Dorothee S\u00f6lle, Den Rhythmus des Lebens sp\u00fcren, Herder, 2006<\/p>\n<p>David Steindl-Rast, Die Achtsamkeit des Herzens, Goldmann, 1988<\/p>\n<p>Paul Tillich, Auf der Grenze, Evangelisches Verlagswerk Stuttgart, 1962<\/p>\n<p>Robert Thill-Heusbourg, K\u00f6nnen wir im Himmel noch Fussball spielen?, Titelblatt zum Tode Karl Rahners, Denken + Glauben, Zeitschrift der Katholischen Hochschulgemeinde Graz, 4\/1984<\/p>\n<p>Robert Thill-Heusbourg, Friedh\u00f6fe nicht nur in unseren K\u00f6pfen, Luxemburger Wort, 22. Februar 2008<\/p>\n<p>Robert Thill-Heusbourg, Die Grenze als Ort der Erkenntnis, Luxemburger Wort, 24. November 2008<\/p>\n<p>Erhard Weiher, Das Geheimnis des Lebens ber\u00fchren, Spiritualit\u00e4t bei Krankheit, Sterben und Tod, Eine Grammatik f\u00fcr Helfende, Kohlhammer, 2011<\/p>\n<p>Marguerite Yourcenar, M\u00e9moires d\u2019 Hadrien, Gallimard, 1977<\/p>\n<p>Marguerite Yourcenar, Ich z\u00e4hmte die W\u00f6lfin, Die Erinnerungen Hadrians, Manesse, 2009<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p><span style=\"line-height: 1.5;\">\u00a0<\/span><\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Vortrag am Symposium \u00ab Palliativ ohne Grenzen \u00bb, Meran<\/p>\n<p>Themenschwerpunkt \u00ab W\u00fcrde bis zuletzt \u00bb<\/p>\n<p>30.5.2014<\/p>\n<p>Dr Robert Thill-Heusbourg, H\u00f4pital Saint Louis<\/p>\n<p>Centre Hospitalier du Nord, Ettelbruck<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<\/p>\n<p>\u201eDer Abschied von Grenzen und Ritualen\u201c <\/p>\n<p>\u2013 Euthanasie und die Suche nach der Achtsamkeit des Lebens<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Liebe Kolleginnen und Kollegen,<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ich [&#8230;]<\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[6],"tags":[],"class_list":["post-532","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-euthanasie","odd"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/532","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=532"}],"version-history":[{"count":3,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/532\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":538,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/532\/revisions\/538"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=532"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=532"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/www.thill-heusbourg.lu\/test\/wordpress\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=532"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}